Hallo Obruni!

Im Rahmen des von Spex präsentierten Unerhört! Musikfilmfestivals in Hamburg findet am kommenden Freitag auch die Hamburg-Premiere von »Who is Highlife« statt, Wilma Kieners, Alpha Yahaya Suberus und Dieter Matzkas Dokumentation über den deutschen Einfluss auf die Highlife-Musik Ghanas. Der Film wird in Anwesenheit von Regisseur Matzka aufgeführt, Martin Hossbach befragte ihn vorab zu den Hintergründen der Dokumentation.

Worum geht es in »Who Is Highlife«? Was genau ist ›Burger Highlife‹?
    Drei Personen waren an der Entstehung des Films beteiligt: Wilma Kiener und ich haben zusammen eine kleine Filmproduktion, die es uns möglich macht, unsere gemeinsamen Filmideen zu realisieren. Sie ist Ethnologin. Hinzu kam noch unser ghanaischer Freund Alpha Yahaya Suberu, ein ehemaliger Filmstudent der Nationalfilmschule (NAFTI) in Accra, ohne dessen Mitarbeit der Film so nicht zustande gekommen wäre.

    In unserem Film geht es vor allem um die ghanaische Highlife-Musik, aber auch um das Land Ghana und seine Menschen. Was die Musik betrifft, so geht es um einen Teil in der afro-amerikanischen Popmusik-Entstehungsgeschichte, der erst jetzt langsam ins Bewusstsein der westlichen Welt kommt. Highlife ist eine Fusion-Musik mit afro- und afro-amerikanischen sowie westlichen Elementen. Einerseits ist Highlife eine Mischung aus den traditionellen, afrikanischen Elementen wie Rhythmus, Tanz, Sprache und der speziellen Art diese Musik zu spielen. Die Instrumente und Harmonien stellen andererseits westlichen Einfluss dar, das afro-amerikanische oder schwarz-karibische Element, welches westindische Truppen, die während der Kolonialkriege in Ghana stationiert waren, nach West-Afrika brachten. Unser filmisches Interesse beginnt aber in der Zeit des musikalischen Umbruchs Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger, als die Elektronik mit Synthesizer, elektrischer Gitarre und Keyboard die traditionelle Musikszene neu aufmischte. Politisch motivierte abendliche Ausgangssperren und die damit fehlende Möglichkeit des Geldverdienens, veranlasste zahlreiche Musiker Ghana zu verlassen. Einige zogen nach UK, US und viele landeten in Deutschland.

    Zusammen mit der Erfahrung deutscher Musiker und Tonmeister, wie zum Beispiel Bodo Staiger (Rheinklang Studio), oder Peter Krick (Skyline Studio) – beide in Düsseldorf zu Hause – fingen sie an, ihren traditionellen Highlife mit Disco und Funk zu vermischen. Sie gründeten neue Bands wie Bus Stop oder Kantata und brachten den neu kreierten Highlife-Sound zurück nach Ghana, wo jeder Song ein Hit wurde. Es waren die Ghanaer in Ghana, die diesen neuen Sound ›Burger Highlife‹ nannten, denn er wurde von den ›Burgern‹ (so nannten sie die in Deutschland lebenden Ghanaer) als neuer Highlife-Stil nach Ghana gebracht. Bis heute ist ›Burger Highlife‹ ein Musikstil der ghanaischen Popmusik. »Ghana Music – made in Germany«.

    In Ghana wird Highlife bis heute gespielt. Vom Morgen bis in die Nacht. Die meisten Songs sind Evergreens mit Bestand, Ohrwürmer. Auch wenn die neue Musikrichtung ›Hiplife‹ in den letzten Jahren immer mehr triumphierte, so kommt es derzeit zu einer neuen Fusion-Musik, in der sich Highlife und Hiplife zusammentun. Mit einem solchen Song hört auch unser Film auf. Und wir finden, dass diese neue Musik einer Verschmelzung die Ohren auf ein Neues beglückt.

Wurde Deine Hautfarbe thematisiert als Du mit den Protagonisten sprachst?
    Meine Hautfarbe in Bezug mit allen schwarzen Musikern hatte keinerlei Bedeutung. Nun sind diese ja seit Jahrzehnten gewöhnt, mit ›uns Weißen‹ zusammen zu leben. Wahrscheinlich sahen sie mich eher als Schwarzen, als ›Brother‹, weil ich mit einer Ghanaerin verheiratet bin. Nein, mit den Musikern gab es weder wegen der Hautfarbe noch wegen anderer Dinge auch nur irgendein Problem. Wir hatten alle nur das eine Ziel, einen guten Film zu machen. Wenn es einen kleinen Unterschied zwischen uns gab, so war es das unterschiedliche Zeitgefühl. Afrikanisches Zeitgefühl ist nicht europäisches Zeitgefühl. Das wirkt sich auch auf einen Dreh aus. Auch in Ghana selber gab es wegen der Hautfarbe kaum Probleme. »Hallo Obruni« (= Weißer), ist immer der Ruf, der von irgendwo kommt. Aber er ist nicht negativ besetzt, sondern meistens der Beginn einer kurzen oder langen freundschaftlichen Begegnung und Unterhaltung. Klar, ich wurde einmal von Sicherheitsleuten geschlagen und zweimal beim Drehen verhaftet, weil man nicht einsehen wollte, dass ich eine gültige Drehgenehmigung hatte. Aber das kann mir auch in Deutschland passieren.

 


VIDEOWho is Highlife (Trailer)

»Who is Highlife«, Regie: Wilma Kiener, Dieter Matzka, Alpha Yahaya Suberu, D/GH/A 2009, 112 Min., Originalton mit deutschem Untertitel

Unerhört! präsentiert Dieter Matzkas »Who is Highlife«:
04.12. Hamburg – Zeise Kinos (ab 22:00 Uhr, In Anwesenheit des Regisseurs)

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