HAIM „Something To Tell You” / Review

Wenn man dem Haim etwas vorwerfen will, ist es die schlichte Botschaft der Texte, die sich verschiedenen Stadien der Liebe zuwenden. Erkenntnisgewinn? Fehlanzeige.

Haim heißt im Hebräischen „Leben“, ist aber auch ein männlicher Vorname. Als Nachname kommt er eher selten vor. Vielleicht schreiben die Schwestern Danielle, Alana und Este ihren Nachnamen, der ihnen ebenso als Bandname dient, aus diesem Grund selbstbewusst in Großbuchstaben: HAIM. Andererseits haben sie wenig Grund zu unnötiger Bescheidenheit. Das Trio aus Los Angeles hat sich seit seiner ersten EP von 2012 und dem im Jahr darauf veröffentlichten Debüt Days Are Gone einen verdienten Platz im Pop sichern können.

Something To Tell You, ihr zweites Album, knüpft an den Sound von Days Are Gone an und entfernt sich zugleich ein wenig davon. Waren Haim schon 2013 ein Amalgam diverser Vorlieben, in denen Softrock genauso gegenwärtig ist wie der glasklare Pop der Achtziger oder etwa R’n’B, gibt es auch hier gelegentliche Slap-Bass-Akzente und andere datierbare Elemente, doch vertieft sich die Produktion diesmal noch stärker in die Arbeit an kleinsten Details, schraubt, ohne aufdringlich zu wirken, präzise gesetzte Gitarren-Pirouetten in die Songs oder spielt mit gegenwärtigen Effekten beim Gesang und anderswo.

Something To Tell You sollte man nicht wörtlich nehmen.

Haim werden dabei gern mit (den spätachtziger) Fleetwood Mac verglichen. Was im Sinne der Studioarbeit kein unzutreffender Maßstab ist. Allerdings gibt es einen Unterschied: Während Fleetwood Mac dem Etikett „Adult-Rock“ in der Abgehangenheit ihrer feinziselierten Songs weitgehend gerecht werden, klingen die nicht minder sorgsam am Mischpult zusammengestellten Songs von Haim eine Spur dringlicher. Jugendlicher, wenn man so möchte.

Wenn man dem Album etwas vorwerfen will, ist es die schlichte Botschaft der Texte, die sich verschiedenen Stadien der Liebe zuwenden – neue, krisengeschüttelte, verlorene. Liebe. Erkenntnisgewinn? Fehlanzeige. Something To Tell You sollte man daher nicht wörtlich nehmen – was den Worten fehlt, übernimmt eben die Musik. Und in der sitzt jeder Hall, jeder noch so hintergründige Synthesizer am richtigen Ort wie die Buchstaben eines Satzes. Wäre es nicht so platt, könnte man guten Gewissens sagen, dass Haim dem Pop Leben einhauchen. Neues? Ihr eigenes.

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