Gurus letzte Erklärung

»It’s mostly the voice that gets you up.« Mit dieser Erkenntnis wurde Keith Elam alias Guru, die Stimme von Gang Starr und Jazzmatazz, häufig zitiert. Am Montag ist der Rapper nach langem Krankenhausaufenthalt in New York gestorben. Er kämpfte gegen eine Krebserkrankung und lag nach einem Herzinfarkt seit Februar diesen Jahres im Koma. Guru wurde 43 Jahre alt.

   Der in Boston geborene MC gründete zusammen mit DJ Premier Mitte der achtziger Jahre die Gruppe Gang Starr, deren revolutionärer Sound noch auf Jahre hinaus die Blaupause für den Hiphop der amerikanischen Ostküste darstellte. Ihr Debütalbum »No More Mr. Nice Guy« ist ein Klassiker, gleiches gilt für das vorletzte Werk »Moment of Truth«, das Guru und DJ Premier im Jahre 1998 veröffentlichten. Anfang der Neunziger rief Guru das Bandprojekt Jazzmatazz ins Leben, das mit insgesamt vier Alben eine wegweisende Fusion aus Jazz und Hiphop vorlegte. Nach dem letzten Gang-Starr-Album »The Ownerz« trennten sich die Wege von Guru und DJ Premier, was vielerorts zu Spekulationen über ihr Verhältnis führte. Es galt als erwiesen, dass es Streit gegeben habe, doch blieben die genauen Gründe im Verborgenen. Dass sich aber zwei Lager auf Seiten Gurus bzw. DJ Premiers bildeten, davon zeugen unter anderem die jüngsten Updates des englischen Wikipedia-Eintrags zu »Gang Starr«, der bis auf Weiteres wegen Vandalismus nicht bearbeitet werden kann.


VIDEO: Gang Starr – Full Clip

   Seit dem Ausbruch von Gurus Krankheit gab es immer wieder kontroverse Neuigkeiten und Gerüchte um den Künstler und seinen Zustand. So beklagten sich etwa Gurus Neffe sowie weitere Familienangehörige öffentlich darüber, dass sein Produzent, Co-Labelbetreiber von 7 Grand Records und Weggefährte Solar die Kontrolle über die Entscheidungsgewalt des Rappers an sich gerissen und zudem den Angehörigen Besuche am Krankenbett untersagt habe. Mit welchem Recht Solar solche Entscheidungen über die Köpfe der Blutsverwandten hinweg fällen konnte, blieb indes ungeklärt: Sämtliche Statements Gurus der letzten Wochen gelangten nur über Solar als Mittelsmann an die Öffentlichkeit. Dazu gehört nun auch Gurus letzte Erklärung, ein viel diskutierter Abschiedsbrief, den Solar dem Magazin Yoraps.com exklusiv zuspielte.

   Darin heißt es unter anderem, dass Gurus langjähriger Freund und Partner DJ Premier in keinster Weise mit dem Gedenken an Guru und seinem musikalischen Vermächtnis in Verbindung gebracht werden soll: »I had nothing to do with him in life for over 7 years and want nothing to do with him in death.« Solar selbst wird dagegen in dem Text an höchste Stelle erhoben und sogar zum Sorgevater von Gurus Sohn KC ernannt: »My loyal best friend, partner and brother, Solar, has been at my side (…) I am survived by the love of my life, my sun KC, who I trust will be looked after by Solar (…).« Weil diese Worte für die große Mehrheit der Fans in höchstem Maße unrealistisch klingen, gibt es Zweifel an der Echtheit des Briefes. Eine Welle der Entrüstung schlägt Solar entgegen, der als wahrer Urheber des Briefes vermutet wird.

   Es ist tragisch, dass zu diesem traurigen Ereignis eine solche Debatte entfacht – geht es doch nur auf Kosten des Andenkens des Verstorbenen. Was Guru für Hiphop bedeutet, wird dadurch nicht erklärt sein. Mit ihm geht eine ikonische Figur der Popkultur, sein Vermächtnis bleibt unantastbar – ganz egal, wer darüber wachen darf.

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