Groupshow Live at Skymall / Denseland Like Likes Like

Groupshow Live at Skymall
GROUPSHOW

LIVE AT SKYMALL
STAUBGOLD / INDIGO – 29.03.2013

Denseland Like Likes Like
DENSELAND

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M=MINIMAL / KOMPAKT– 17.05.2013

Eine Muh, eine Mäh, eine Täterätätä. Ein Plockern, ein Hämmern, ein Schleifen. Sie nennen es »live«, es ist ihr zweites Release auf Albumlänge, und Groupshow, so viel muss man festhalten, ist der beste neue Bandname der vergangenen Jahre. Groupshow nennen Jan Jelinek, Hanno Leichtmann und Andrew Pekler, seit Jahrzehnten eingeführte Namen in der Welt der gepflegten elektronischen Musik, ihr Improvisationsprojekt. Und natürlich sollte man vor Ort »dabei« sein und bitte nicht mit der Konserve nach Hause geschickt werden.
   Ein Plockern, ein Hämmern, ein Schleifen. Ein driftendes, leicht mäanderndes Etwas, das musikalisch irgendwo Anfang der 1970er klebt, eine bestuhlte Messehalle irgendwo im Rheinland – ihr wisst schon wo – oder ein Kunstverein bei Hannover. Die Zuschauer sitzen ehrfürchtig auf mitgebrachten Bettdecken. Rauchverbot, danke. Ein Sammelsurium von Kisten und Kabeln auf der Bühne, genauer: da, wo die Bühne sein soll, in der Mitte des Raumes, markiert mit ein paar Kreidestrichen wie in Lars von Triers Dogville. Manch einer aus dem nicht wirklich fachkundigen, aber äußerst interessierten Publikum umkreist staunend die Gerätschaften: Begleitautomatik im Selbstbausatz, die blöde, viel zu schwere Ham­ mond, der Wurlitzer Sideman, ein Kassettenrekorder als Verstärker.
   Ein Plockern, ein Hämmern, ein Swingen. Ein Ruck geht durch die Menge, Köpfe werden geschüttelt, aus verstohlenem Fingerschnippen wird ausgewachsenes, rhythmisches Händeklatschen. Die Frau mit dem Scheitel erhebt sich zum Tanz, Bleep und Klonk hört sie, blickt durch die Cluster-Brille und denkt, verträumt: »Ein seltsames Kraut!« In der Tat. Und dieses letzte von drei Stücken, »Pet Hair Magnet«, rettet das Album Live At Skymall in die Jetztzeit.
   Es folgen: eine personelle Überschneidung, ein nur mäßig gelungener Bandname, aber ein Spitzenalbum! Denseland sind Hanno Leichtmann, Hannes Strobl, David Moss – alle, vor allem aber Letzterer, eingeführte Namen in der eher freieren zeitgenössischen Musik. Und was sie hier vorlegen, um es kurz zu machen, bläst einen weg. Ich musste beim Hören an eine Plattenbörse in Düsseldorf Anfang der 90er-Jahre denken, wo ein Verkäufer an seinem Black-Music-Stand ein ums andere Mal »ein Brett« ankündigte und dann Parliament/Funkadelic spielte – zu meiner Irritation, denn »ein Brett« war für mich ganz klar Techno.
   Like Likes Like nun ist ein Brett. Achtmal das beste beider Welten. Ein Bass, mit dem man in der beginnenden Cabrio-Saison ordentlich Angeber- und Coolness-Punkte sammeln kann, weißester Funk, trocken, mathematisch gezirkelt, von einer gewissen stoischen Eleganz und einer langsamen, unaufgeregten Gründlichkeit. David Moss schleift sich am Mikrofon durch die plockernden, hämmernden Beats wie ein Alan Vega auf Valium zu Pan(a)sonic. Bei allem, was einem sonst noch an Referenzen im Kopf herumschwirren mag – von Me & The Heat über früheste Was (Not Was), Mutant Disco, Ze/Celluloid oder Rammellzee mit Walter Dahn bis zu Morgan Geist –, ist das doch sehr eigen, und klingt erstaunlich zeitgenössisch, ohne sich irgendwelchem Kitsch wie Dubstep et al. anzudienen. Oder vermutlich gerade deswegen.

Denseland präsentieren Like Likes Like heute Abend live im .HBC, Berlin. Das Stück »Hum of Sonic« gibt es außerdem auf der SPEX CD 109 zu hören.

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