Grey Daturas

Mit einem klassischen Instrumentarium aus Schlagzeug, Bass und Gitarre widmen sich die Grey Daturas der Erforschung rein instrumentaler Klangräume, deren Architektur einen sonderbaren Stilmix aus Doom Metal, Post Rock und Noise offenbart. Besonders die Sympathie zum Lärm zeigt sich in zahlreichen Split-LPs, die beispielsweise mit den Wolf Eyes oder den Yellow Swans geteilt werden – beides Bands, die ein fester Bestandteil des amerikanischen Noise-Undergrounds sind, aber auch eine alternative Herangehensweise an die Rock-Musik präsentieren.

    Die tradierten Richtlinien des Rocks zu überwinden – das ist auch die Absicht der Grey Daturas, die dafür die Triebkräfte der freien Improvisation einbeziehen, um so ihrer Musik die nötige Spontaneität und Freiheit zu vermitteln. Angereichert wird diese intuitive Spielweise, die stets sehr konsistent und stichhaltig ausfällt, keineswegs ausufernde Jams oder unkonzentrierte Ideen präsentiert, mit stilistischen Feinjustierungen. So kann es sein, dass ein Stück der Sogkraft psychedelischer Bewusstseinserweiterungen verfällt, die dann im nächsten Track von rabiaten Lärmorgien abgelöst, im darauffolgenden Teil wiederum mit nahezu akademisch anmutenden elektroakustischen Versuchsanordnungen substituiert werden.

MP3: Grey Daturas – Undisrupted

    Auf ihrem Vorgängeralbum »Dead In The Woods« perfektionierten die Grey Daturas diese variantenreiche Spielweise und kleideten sie in eine staubige Klangästhetik – ein Sound, der besonders zu der improvisatorischen Unschärfe ihrer Stücke passte. »Return To Disruption« entledigt sich dieser klanglichen Unvorhersehbarkeiten und zeichnet sich durch eine professionelle Produktion aus. Überhaupt scheint es, als ob die Grey Daturas mit diesem Album ihre Abenteuerlust und Vitalität verloren haben. Auf »Return To Disruption« finden sich nur drei Stücke, die zu begeistern wissen: Der Opener »Beyond And Into The Ultimate« mit seinem vorwärts preschenden Schlagzeugpuls, das fragile »Undisturbed«, dessen zarte Klangkörner und erweiterte Spieltechniken in ihrer mikroskopischen Raffinesse sehr eindrucksvoll erscheinen und schließlich »Balance Of Convenience«, eine knallharte Feedbackstudie.

    Der Rest der Platte klingt leider wie all die gesichtslosen Bands, die heutzutage mühevoll versuchen, eine Melange aus instrumentalem Post Rock und treibender Doom Metal-Heavyness zu kreieren und durch vorhersehbare Kompositionsmethoden die Stücke einer ausdrucksstarken Dramaturgie berauben, sie in einem Sumpf aus abgenutzten Harmonieverläufen, Klangfarben und rhythmischen Phrasierungen versinken lassen, um sie letztendlich in ein ästhetisches Nirwana zu überführen.

LABEL: Neurot Recordings

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 23.05.2008

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