„Grenzenlos“ – Filmfeature zum Kinostart

Wim Wenders sucht das Große im Großen: Grenzenlos fasst ungefähr 1.000 Themen an, von denen für sich genommen keins kleiner als das Universum ist. Nur die tollen Bilder und ein fantastischer Cast schützen den Film davor, sich selbst der Lächerlichkeit preiszugeben.

Jacques­-Yves Cousteau, Jean Vigo, Ian Fle­ming, Rosamunde Pilcher. Wim Wenders filmt ein Genre-­Amalgam aus französi­schem Arthouse, Agentenerzählung im Duktus der Märchenstunden des Eiser­nen Vorhangs und Liebeskitsch aus dem Fünf­-Sterne­-Chalet an den Kalksteinküsten der Normandie. Grenzenlos heißt dieser Schinken. Ein Film, der dabei nicht we­niger verhandeln will als die Fragen nach dem Ursprung des Lebens und dem Sinn menschlichen Seins. Wenders sucht das Große im Großen.

Die Geschichte geht so: Ein eleganter MI­6 Agent (mit schottischem Akzent) joggt am rau wogenden Atlantik an einer sinnierenden Biomathematikerin vorüber. Lächeln. Sie mag Männerschweiß, er kluge Frauen, Sex vorm Kaminfeuer. Beim Schä­len von Orangen dann tiefernste Gesprä­che über tiefernste Themen. Sie schifft bald auf dem Forschungsschoner Atalante ein, um in der Todeszone des Ozeans nach Leben zu tauchen. Er, was er freilich ver­heimlicht, muss nach Nairobi, um islamis­tische Terroristen zu jagen. Beides Missio­nen, die unter dem Fixstern dieser frischen Liebe stattfinden, an ihm verzweifeln, im Zweifel an ihm festhalten.

20.000 Meilen unter dem Meer: Alicia Vikander als die Meereswissenschaftlerin Danielle Flinders

Die größte Überraschung ist viel­leicht, dass Wenders dieses Szenario, das er ohne ein My an Ironie umsetzt, nicht ins komplett Lächerliche wegkippt. Das liegt an seiner ungebrochenen Gabe für die Fotografie. Seine Aufnahmen von Wasser, Erde, Feuer, Luft sind zuweilen bildpoe­tische Kleinode. Das liegt auch an dem fantastischen Cast. Alicia Vikander und James McAvoy nehmen ihre Rollen so ernst, dass man den hanebüchenen Flirts am liebsten glauben möchte. Trotzdem verlieren sich diese Qualitäten im Laufe des Films vor dem Horizont der selbstge­rechten und eitlen Geste eines Künstlers, der über eine Welt fabuliert, zu der er offensichtlich jeglichen Kontakt längst ver­loren hat.

Grenzenlos
USA 2017
Regie — Wim Wenders
Mit James McAvoy, Alicia Vikander, Alexander Siddig u. a.

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