Googles neuer Streamingdienst & die Indies: Vertrag aufgetaucht

Mustervertrag zwischen Google und Indielabels

Bewegung in der Debatte um Googles neuen Youtube-Streamingdienst und seinen Streit mit den Indie-Labels: Ein Mustervertrag wurde öffentlich gemacht.

Die Aufregung war groß, als letzte Woche publik wurde, dass Google womöglich Inhalte von Indielabels auf YouTube sperren könnte, sollten sich diese mit dem Unternehmen nicht auf die Konditionen für seinen neuen Streamingdienst einigen können. Nun gibt es weitere Einblicke in die Details der Auseinandersetzung: 32 Seiten lang ist das Lizenzdokument, das vom Blog Digital Music News online gestellt wurde. Der Guardian und Billboard haben die Echtheit des Vertrages bestätigt. Zwar handelt es sich, laut Billboard, wahrscheinlich um eine frühere Version des Vertrags, Label- und Verlagsvertreter haben der Publikation allerdings bestätigt, dass die zur Diskussion stehenden Raten bis heute gleich geblieben sind.

Diese bedeuten in Zahlen, dass 55% des kommenden Umsatzes an die Labels gehen sollen, weitere 10% an die Verlage und Organisationen wie GEMA. Dies betrifft allerdings nur die reinen Audiostreams. Für Musikvideos liegt der Labelsatz wiederum bei 45%. Der Anteil für die Streams liegt dabei unter dem jetzigen Marktniveau bei Streamingdiensten. Alternativ könnte Google die Labels auch über einen Anteil an den Abogebühren der Nutzer beteiligen. 5,50 US-Dollar wären das pro Nutzerin und Monat in den USA, 4,62 Euro in Deutschland. Welches der beiden Ausschüttungsmodelle in welchem Monat genutzt wird, hängt davon ab, welches ertragsreicher war.

Für die Indielabels sind im Folgenden verschiedene Punkte problematisch. Wie bereits bekannt, konnten sie – anders als die drei Major-Labels – keinen Mindesterlös aus dem Dienst aushandeln. Zudem besitzt jeder Major, laut des nun publizierten Dokuments, die Möglichkeit, im Alleingang einem niedrigeren Satz zuzustimmen, der dann auch für alle anderen Labels gilt. Im Wortlaut:

To the extent that any major label agrees to any rates for the Google Services that are lower than the rates set forth in Exhibits C or D, including with respect to bundling, Google will have the right to reduce Provider’s analogous rates accordingly, following thirty (30) days written notice (via email will be sufficient) to Provider.

Es könnte zu einem Verdrängungswettbewerb kommen. Die anderen beiden Punkte betreffen Googles Forderung, die gesamten Labelkataloge verfügbar machen zu dürfen – Zitat:

It is understood that as of the Effective Date and throughout the Term, Provider’s entire catalogue of Provider Sound Recordings and Provider Music Videos (including Provider Music Videos delivered via a third party) will be available for the Premium and Free Services for use in connection with each type of Relevant Content, (excluding AudioSwap Recordings, which will be at Provider’s option) and set to a default policy of Monetize for both the Premium and Free Services, except as otherwise set forth in this agreement.

Die Musik wird dann also auch außerhalb des neuen Dienstes auf der klassischen YouTube-Plattform angeboten. Finanziert wird das System hier von Werbung, allerdings nur bei Inhalten, die von ihren Uploadern auch monetarisiert werden. Rund ein Zehntel aller Inhalte könnte dabei durch das Netz fallen.

Viel schwerer wiegt allerdings, dass eine komplette Abwesenheit von Streamingdiensten, wie sie manche Künstler bis heute auch aus ästhetischen Beweggründen heraus fordern, nicht mehr möglich ist, da Google dies nicht mehr erlaubt, sobald das vertretene Label dem Vertrag zustimmt.

Die Musikfirmen müssten zudem ihre Promostrategie überdenken, denn ein weiterer Passus verlangt, dass alle Inhalte am Tag ihrer Veröffentlichung verfügbar gemacht werden. Dies wäre das Ende des sogenannten »Windowing«, einer Marketingstrategie, bei der Alben erst einige Tage oder Wochen nach ihrer digitalen und physischen Veröffentlichung zum Streamen freigegeben werden, um so weiterhin zu Käufen anzuregen. Adele und The Black Keys waren etwa so zuletzt mit ihren Alben verfahren.

Trotz des Leaks bleibt zudem weiterhin unklar, wie sich die von YouTube angedrohte Sperrung der Inhalte gestalten wird, sollte ein Label nicht zustimmen. Es könnte sein, dass ihre Videos und Musik weiter auf YouTube verbleiben, allerdings von dessen Monetarisierungssystem ausgeschlossen werden. Oder sie werden bloß nicht in den neuen Dienst aufgenommen. Aber auch eine vollständige Sperrung bzw. Löschung bleibt nach derzeitiger Informationslage möglich, wobei dies wiederum dann nicht Inhalte betreffen dürfte, die die Labels an Vevo lizenziert haben (was etwa bei Adele und vielen anderen Künstlern der Fall ist). Die von Google mitgegründete Videoplattform speist ihre Inhalte nämlich wiederum bei YouTube ein.

Der Guardian hat die Sperrungsproblematik nochmals ausführlicher an anderer Stelle zusammengefasst. Unser Interview mit Christof Ellinghaus, Chef des renommierten Indielabels City Slang, zum Thema findet sich noch hier.