Goldmund

Keith Kenniff reicht ein Künstlername nicht: Als Helios veröffentlicht er seine dramatischen Ambient-Kompositionen, unter dem Alias Goldmund hingegen intime Piano-Instrumentals. Auf seinem zweiten Goldmund-Album »The Malady Of Elegance« steigert sich diese Intimität mit dem Hörer noch mehr als bisher: hier ist man nicht nur in einem Raum mit dem Künstler, sondern im Piano selbst. Sensible Mikrofone fangen die inneren Klänge der Klaviermechanik ein: das Betätigen der Pedale, das Hochklappen der losgelassenen Tasten, die Saitenanschläge der Hämmer, das Zurückfallen der Dämpfer. Auch hört man in das Instrument hinein, wenn Kenniff im Eröffnungsstück »Image-Autumn-Womb« die Saiten zupft oder – wie in »Mound Builders« – sanft mit einem Bogen streicht.

    Dieser realistische Aufnahme-Ansatz erdet Kenniffs elegante, minimale Melodiebewegungen und unterstreicht die von ihnen ausgehende Melancholie. »The Malady Of Elegance« ist jedoch nicht reine Regenwettermusik. Auch wenn sich die Stimmung im Laufe der Zeit verdüstert, strahlt das Album anfangs eine einladende Wärme aus. Mit seinen Titeln greift Kenniff weit in die nordamerikanische Vergangenheit, »The Winter Of 1539-1540«, »Appalachees« oder »Ouendake« (der Name den die indigenen Huronen ihrem Territorium im Süden Kanadas gaben) referenzieren jene Zeit, in der sich europäische Eroberer den Kontinent zu Eigen machten und verstärken den cineastischen Charakter der Stücke.

    Für sich allein genommen ist der Großteil dieser stimmungsvollen Klangmalereien sehr hörenswert, da Kenniff jedoch letztlich mit nur einem Farbton arbeitet wird sich auch bei geduldigen Hörern im Verlauf der einstündigen Spielzeit ein Gefühl der Indifferenz einstellen. Zwei EPs wären wahrscheinlich das bessere Format gewesen.

Anm. d. Red.: Der Autor betreibt an anderer Stelle das Musikblog »Auf ein Neues«.

LABEL: Type Records

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 05.09.2008

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