Globelamp »The Orange Glow« / Review

Ein Sid-&-Nancy-Gedächtnisalbum, das man erst mal überleben muss. 

»You’re all I ever wanted / I think I’ll regret this«, singt Mitski, die andere wütende Songschreiberin auf dem anderen großen Selbstermächtigungsalbum dieser Ausgabe. Nach zwei Minuten ist die Resurrektion vollzogen, und Mitski geht wieder joggen. Dass sich das mit der Vergangenheitsbewältigung durchaus ziehen kann, zeigt hingegen Elizabeth Le Fey. Als Globelamp legt sie ein Sid-&-Nancy-Gedächtnisalbum vor, das man erst mal überleben muss. Le Feys Auferstehung aus Ruinen dauert so lange, wie eine Folge O.C., California plus Zeit zum Sackenlassen nun mal dauert. Und dass ihr alle dabei zuhören, scheint die vormalige Sängerin der Krawalltruppe Meowtain nur zu ermutigen, umso ausladender zurückzuschlagen.

Das Copy-&-Paste-geschützte Zeugnis der kompletten Pein –
ausbuchstabiert in Joanna-Newsom-Manier.

Auf die Zwölf bekommt Sam France, der Le Fey vor drei Jahren als Accessoire mit Klampfe in einem Musikclip seiner Westküstenschnöselband Foxygen auftreten ließ. Er: »I left my love in San Francisco«. Sie: »Okay«. Die jungen Leute taten, was junge Leute tun: Sie liebten und hassten sich via Tumblr. Pitchfork-Redakteure taten, was Pitchfork-Redakteure tun: Sie drückten die Copy-&-Paste-Tasten. Le Feys Tweets führten erst zur mutmaßlichen Trennung der Band, dann zur sicheren Trennung von France und wurden anschließend vor Gericht (Stalking, Morddrohungen – was tut man nicht alles) gegen sie verwendet. Sicher ein Grund, warum Le Fey das Medium wechselte und fortan Songs schrieb (die anschließend vor Gericht gegen sie verwendet wurden).

Mit The Orange Glow liegt nun jedenfalls das Copy-&-Paste-geschützte Zeugnis der kompletten Pein vor – ausbuchstabiert in Joanna-Newsom-Manier. Der Text macht umso mehr die Musik, weil Le Fey eigentlich nur zwölf Mal zwei Akkorde spielt. Die aber mit solcher Inbrunst, dass man sich kaum traut, ihr fehlende Songwriting-Qualitäten zu unterstellen. Bemerkenswert ist außerdem die Entwicklung, die Musterstücke des Silbenstretchings wie »Invisible Prisons« dank Liturgiechor- und Stimmband-Pimping seit der 2011er Rohvariante genommen haben. »They say that time heals the wounds / But I still feel the same«, singt die vom Volksmund Betrogene entgegen diesem Eindruck an anderer Stelle. Und dass man nicht kontrollieren kann, was man nicht verstanden hat. Geben wir ihr die Zeit, die sie braucht.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.