Girlpool „Powerplant“ / Review

Griffiger, intensiver und direkter sind die Stücke auf dem zweiten Girlpool-Album: „1, 2, 3, are you listening to me?“

Von Los Angeles nach Philadelphia und wieder zurück to sweet home California: Harmony Tividad und Cleo Tucker alias Girlpool kamen nach der Veröffentlichung ihres Debüts Before The World Was Big viel herum, waren dauernd auf Tour und auf der Suche nach einem interessanteren Ort als L.A. – um genau dort wieder zu landen. Wie es halt manchmal so kommt, wenn man 20, 21 Jahre alt ist und die Welt immer größer zu werden scheint. Eine der Erkenntnisse des langen Unterwegsseins: Wir brauchen ein Schlagzeug. Gute Entscheidung, die ihr Debüt so bezaubernd machte und die gleichzeitig die Weiterentwicklung implizierte. Der schwerelose Lo-Fi-diaryriot von 2015 konnte nur ein Kapitel des Girlpool-Lebenslaufs sein.

Liebeslieder für rumfahrende Skeptikerinnen.

Powerplant ist nun kein kompletter Richtungswechsel, aber ein großer Schritt. Wohin genau? Aktuell noch unerheblich. Kumpel Miles Wintner am Schlagzeug bringt Struktur und setzt Akzente, drängt sich aber nicht zwischen Tividad und Tucker, deren sich umeinander windender Gesang und postgrungiges Gitarre-Bass-Spiel den Sound bestimmt: mal schläfrig-schleppend wie die jungen Breeders, kurz darauf stürmische, drängende Eruptionen, fast schon Noise. Griffiger, intensiver und direkter sind die Stücke jetzt: „1, 2, 3, are you listening to me?“, singen Girlpool und legen schon im Opener ihre Einflüsse und Lieblingsbands offen auf den Tisch. Tucker und Tividad denken die Cranberries und die Cocteau Twins, Arthur Russell und Elliott Smith zusammen; Empathie und Emotion, Verletzlichkeit und Sinnsuche, konzentriert und verknappt in Zweiminutensongs. Auf Before The World Was Big verließen Tucker und Tividad ihre Mädchenzimmer, auf Powerplant beziehen sie die Studentenbude: Es ist aufregender dort, aber auch komplizierter. Auch in der Liebe: „The nihilist tells you that nothing is true / I said I faked global warming just to get close to you“, heißt es in „It Gets More Blue“ – dem Liebeslied für rumfahrende Skeptikerinnen.

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