Poet des Widerstands

gil-scott-heron-by-mischa-richterFoto: © Mischa Richter / XL Recordings

    GIL SCOTT-HERONs Name wird in erster Linie immer mit The Revolution Will Not Be Televised verbunden bleiben. Das Stück, das der Autor, Jazz-Musiker und Spoken-Word-Poet 1970 für sein erstes Album Small Talk at 125th and Lenox aufnahm, machte ihn zu einer Ikone der amerikanischen Gegenkultur und der Bürgerrechtsbewegung. Im Text von The Revolution… verschmolz Scott-Heron Wut, Stolz und Witz zu radikaler und überaus eleganter Widerstandspoesie. »There will be no pictures of pigs [gemeint sind Polizisten, d. Red.] / shooting down brothers on the instant replay«, reimte er und positionierte sich im Verlauf des Stücks ideologisch eindeutig auf der Seite der Sozialisten und »schwarzen Nationalisten« der Black Panther Party anstatt bei der religiös motivierten Nation of Islam oder der gemäßigten NAACP. Auch die Form des Songs ist revolutionär – die Verbindung von Sprechgesang mit Jazz und Funk bildete eine der Grundlagen für die heutige Hiphop-Kultur.

    Scott-Heron wurde am 1. April 1949 in Chicago geboren, verbrachte einen Teil seiner Kindheit aber bei seiner Großmutter im südlichen US-Bundesstaat Tennessee, wo bis Mitte der Sechziger Jahre noch Segregation herrschte. Später zog er zu seiner alleinerziehenden Mutter nach New York, studierte Creative Writing und schrieb die zwei Romane The Vulture und The Nigger Factory. Bis 1994 veröffentlichte er insgesamt 13 Langspielplatten und nahm dabei in seinen Songs und Gedichten weiterhin deutlich Stellung zu Themen wie Apartheid und Atomenergie.

    In den letzten zwei Jahrzehnten seines Lebens kämpfte Scott-Heron mit Drogenproblemen und den Folgen seiner HIV-Erkrankung. 2001 wurde er wegen Kokain-Besitzes zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe verurteilt, 2006 musste er nach einem Verstoss gegen die Bewährungsauflagen erneut für ein Jahr in Haft. 2010 gelang ihm dann nach 16 Jahren ohne Veröffentlichungen ein überzeugendes Comeback. Das Album I'm New Here ist Scott-Herons persönlichstes Werk – die Wut seiner jungen Jahre ist in den noch immer intensiven Texten einer nachdenklichen Haltung gewichen. Seine radikale Verweigerungshaltung gegenüber dem System und den Vermarktungsmechanismen der Musikindustrie behielt Scott-Heron jedoch bis zum Schluss bei. So berichtet Richard Russell, der Chef der britischen Plattenfirma XL Recordings und Produzent von I'm New Here, Scott-Heron habe darauf bestanden, dass die Toningenieure und Musiker, die an den Aufnahmen beteiligt waren, auf der Promo-Webseite für das Album mindestens genauso groß abgebildet sein sollten wie er selbst.

    Gil Scott-Heron ist am Freitag im Alter von 62 Jahren in New York verstorben.

    Rest In Peace!


VIDEO: GIL SCOTT-HERON – Me And The Devil

7 KOMMENTARE

  1. Gil Scott-Heron (1949 – 2011) ist Tot! Ein Nachruf:…

    Poet des Widerstands Gil Scott-Heron (1949 – 2011)>>> GIL SCOTT-HERONs Name wird in erster Linie immer mit The Revolution Will Not Be Televised verbunden bleiben. Das Stück, das der Autor, Jazz-Musiker und Spoken-Word-Poet 1970 für sein erst…

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