Gerade passiert etwas Relevantes: Candelillas „Camping“ im Albumvorabstream

Foto: Matthias Kestel

Schon der Song „Intimität” war ein entrückt-analytischer Hinweis auf das, was sich nun konsequent durch das ganze Candelilla-Album zieht: die nüchterne Betrachtung von Körpern. Camping erscheint am 3. März bei Trocadero. SPEX streamt das Album vorab.

„33 Muskeln, 24 Sehnen”, so singt es Mira Mann, berühren ihre Hand. Als ob der Vorgang dadurch greifbarer würde. Auf Camping, dem dritten Studioalbum der Münchner Gruppe Candelilla geht es um den Akt des Sprechens, um Artikulation. Was diese äußert, kann Erzählung, kann Ansprache, kann Verwunderung sein. Gleich ist ihnen ihre Haltung: eine Mischung aus unbeteiligter Distanz und aufmerksamer Beschreibung. Man will hören, was Candelilla zu sagen haben.

Ergänzt wird der hypnotische Sprechgesang von einer dramatischen Tendenz in der Musik.  Da ist Sandra Hilpolds Schlagzeug, das in „Ruhig draußen” im Hintergrund lauert und den Eindruck erweckt, es geschehe gerade etwas verdeckt Sinistres. Klavier, Gitarre und Bass sind Begleiter der Stimme. Ihre Funktion besteht meist darin, das Gesagte zu unterstreichen – hast du das gehört? Hier passiert gerade etwas Relevantes. Zwischen den starren Strukturen der akzentuierten Instrumentierung brechen immer wieder großartige Melodien hervor.

„Transformer” sticht nicht nur als einziger englischsprachiger Song dieses Albums hervor, sondern ist auch das gesanglichste, popverliebteste Stück, das inmitten der meist atemlosen Dreiminüter wie „Tier” das Geflecht rauer Energie aufbricht. Mira Mann, Lina Seybold, Sandra Hilpold und SPEX-Autorin Rita Argauer legen mit Camping ein weiteres gut durchdachtes, kraftvolles Album vor.

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