Genepool

Wenn alle zwischen 1979 und 1985 musikalisch sozialisierten Menschen ihr Erbgut in einen Topf schmissen, würde sich der Bodensatz wie »Sendung / Signale« anhören. Abgeschöpft haben ihn erneut die, nennen wir sie mal Supergroup, aus dem zwischenzeitlich zumindest live abhanden gekommenen ›Smoke Blower‹ Jack Letten, Scumbucket-Basser Guido Lucas samt seinem Blue-Noise-Studio-Kompagnon Thilo Schenk und Paco Delgado. Ihre Identität besteht darin, keine zu haben. Vielmehr schlüpfen sie mit jedem Song in eine neue, stets geborgt bei Helden der Vergangenheit. Im positiv heraus zu hebenden Unterschied zu herkömmlichen Hochzeitskapellen covern sie nicht einfach die düstersten Hits der Achtziger, sondern verwenden deren Muster für eigene Songs, die allesamt arschtreibenden Beat und hymnenartige Refrains aufweisen (Hymnen, Hymnen, immer diese Hymnen. Fußball-WM is over!).

    Dieses Juke-Box-Prinzip funktionierte schon bei ihrem Debut »Everything Goes In Circles« recht passabel und spuckte aus, was bei den Worten Damned oder Sisters of Mercy kräftig ›HIER!‹ schrie. Nun hält auch ein wenig Elektronik Einzug, was mal nach Joy Division, dann wieder eher nach Andreas Dorau oder Fisher Z (»Berlin By Night« (!)) klingt. Auch wer jene deutlichen Kraftwerk-Referenzen sucht, die Artwork und Titel nahe legen, wird fündig. »Radioaktivität, die für dich und mich im All entsteht« fällt hier zum schlichten »Dead Radio« zusammen. Wer mag, kann darin den kulturpessimistischen Wolf im retroprogressiven Schafspelz wittern.

    Letztlich geben Genepool aber keinen Anlass hinter ihnen mehr als eine Partyband zu sehen, denen man schon dankbar ist, wenn ihr doch recht überraschungsarmer Geradeauspunkrock noch um ein paar Schraubenumdrehungen weiter anzieht und bei »Sense of Distance« die Frage aufwirft: ist es eine Stimme, ist es ein Verzerrer, das olle Yamaha oder alles zusammen? Letzte Frage: wie lange lässt es sich im Genepool planschen, ohne sich mit der entzückend heißenden, aber arm klingenden Inzuchtdepression zu infizieren? Vor dieser schleichenden Reduzierung von Vielfalt in zu eingegrenzten Lebensräumen sei hiermit in aller Form gewarnt.

LABEL: Nois-o-lution

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 07.09.2007

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