Gedankenskulptur

Gedankenskulptur

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Über Musik zu schreiben ist, wie zu Architektur zu tanzen, sagte mal jemand. Finden wir natürlich nicht, man kann und muss doch über alles schreiben. Jedenfalls, wer auch immer diesen Aphorismus von sich gegeben hat (Und das waren einige, der erste aber wohl Martin Mull.), man kann ihm nun endlich entgegenhalten, dass man doch ganz wunderbar und vollkommen problemlos zu Architektur tanzen kann. Ja wirklich! Und wer das jetzt für musikjournalistischen Unfug hält, der sollte sich am kommenden Samstag (19. Januar) im Trierer Ex-Haus, genauer: auf dem Festival Gedankenskultptur, selbst davon überzeugen. Denn zumindest bewegen kann man sich dort zu den »FassadenScans« der Wiener Künstlerin Ulla Rauter. Rauter vertont nämlich Architektur, indem sie ultrahochauflösende Fotografien von Gebäuden anfertigt und eine Software die Klangstruktur errechnen lässt. Als Kunsterfahrung zwischen Klang und Bild sicher spannend.

   Aber nicht bloß intermedial, sondern auch interdisziplinär versucht das Festival möglichst viel zu bieten: Das Feld reicht von Skateboarding und Streetart bis zu Wissenschaft. Das Experiment dabei ist eines der Symbiose zwischen Dingen, die auf den ersten Blick nicht zusammen passen. Ein guter Kuppler könnte da die Musik sein – und besonders dort beweisen die Organisatoren ein glückliches, bzw. gut informiertes Händchen.

   Zu hören sein werden u.a. die Trier/Kölner Indiepoper We Arms, die ebenfalls aus Köln stammenden Xul Zolar, die eine besonders rhythmische Variante verhallten Pops spielen, und nicht zuletzt von irgendwo »zwischen Rügen, Berlin und dem Rest der Welt«: Touchy Mob. Letzterer wird zusammen mit der Hamburgerin Fee Kürten alias Tellavision – die beide im Rahmen ihrer aktuellen, von SPEX präsentierten Tour spielen werden – den Abschluss des Abends bilden. Und vielleicht bleibt während der Folk-Techno-Elegien für die gebaumelte Seele ja auch noch ein wenig Raum-Zeit im Kopf für eine Gedankenskulptur; also um darüber nachzudenken, ob man jetzt wirklich zu Architektur tanzen kann.

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