Neues Vom Oldman

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STILL: Dame, König, As, Spion StudioCanal – 02.02.2012

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Man muss Adaptionen der Geheimdienstromane John le Carrés nicht für den letzten Schrei halten, um an Dame, König, As, Spion, dem heute in den den deutschen Kinos anlaufenden, neuesten Exemplar dieser speziellen Gattung, außerordentliches Interesse zu entwickeln. Denn zum einen handelt es sich bei diesem höchst eleganten, mit geradezu aufreizender Ruhe inszenierten Agenten-Thriller aus der Zeit des Kalten Krieges auch um die lang erwartete zweite Kinoarbeit des schwedischen Regisseurs Tomas Alfredson, dessen »beunruhigend klischeefreier« Vampirfilm So finster die Nacht zu den bemerkenswertesten Debüts des zurückliegenden Jahrzehnts gehört (s. Sebastian Hammelehles Monster aus dem Mophinkatalog in Spex #336). Zum anderen ist der britische Schauspieler Gary Oldman hier endlich mal wieder in einer Hauptrolle zu sehen – nachdem er als Harry Potters Patenonkel Sirius Black und Detective Jim Gordon, dem legalen Schatten des Dark Knight, zum vormals bösartigen, nun charismatischen Sidekick vom Dienst zu werden drohte.

   Über all die Aufregung, die nunmehr Oldmans völlig berechtigte – und tatsächlich erste Nominierung für einen Oscar nach sich zog, verhallte allerdings eine Neuigkeit, die wirklich großer Erwartungen weckt. Denn es sind mittlerweile fünfzehn Jahre vergangen, seit Gary Oldman als Autorenfilmer mit dem so düsteren wie konsequenten Familiendrama Nil By Mouth eines der bemerkenswertesten Kinodebüts der Neunziger Jahre vorlegte. Im Gespräch mit Spex und im Rahmen von Dame, König, Ass, Spion kündigte er in Berlin nun endlich seine zweite Regiearbeit an, gedreht werden soll bereits im kommenden Jahr. Auf die Frage nach Einzelheiten senkte er lächelnd seine Flüsterstimme und sagte nur: »Er wird im 19. Jahrhundert spielen, es wird eine historische Geschichte.« Wem er sich da genau widmen will, darüber darf ab sofort spekuliert werden. Oldmans recht allgemeiner Hinweis, es werde »etwas völlig Anderes werden«, schränkt im Bezug auf sein bisheriges historisches Rollenrepertoire als Schauspieler (Vlad Dracula Tepes, Ludwig van Beethoven, Sid Vicious) die Möglichkeiten allerdings etwas ein. Die Wetten der Spex-Redaktion gehen zur Zeit Richtung Literatur: es wird Joris-Karl Huysmans oder Emily Brontë, wahrscheinlich aber: Edgar Allan Poe.


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