Galcher Lustwerk „200% Galcher“ / Review

Der anonyme Schlafzimmerproduzent stapelt aus seinem Apartment in New York heraus erneut melodische Verhallungen und zerfließenden Sprechgesang übereinander – aber 200% Galcher birgt auch eine subtile Evolution.

Er murmelt wieder. Die Silben tropfen über tiefe Bässe, mal gelangweilt, mal so sexy wie ins Ohr geraunte Obszönitäten. Es sind absurde Reime oder assoziative Wortketten, die durch nachtschattige Klanglandschaften wandern, umspielt von kräftigen Synth-Flächen wie von warmen Wellen: „I see you when I see you / I wouldn’t wanna be you / I wouldn’t wanna be / I wouldn’t wanna see“. Der murmelnde Mann hinter diesem eleganten House-Rap-Amalgam will seinen echten Namen immer noch nicht verraten, auch sein zweites Album veröffentlicht er unter dem Pseudonym Galcher Lustwerk. Gewählt, wie das Gros seiner Texte, weil es irgendwie gut klingt.

So sexy wie ins Ohr geraunte Obszönitäten

Fünf Jahre nach seinem mittlerweile als Genreklassiker geltenden Mixtape 100% Galcher, mit dem er quasi über Nacht zum Liebling der Clubachse zwischen New York und London wurde, und nur knapp ein Jahr nach dem Release seines Debüts Dark Bliss folgt nun mit 200% Galcher die logischen Verlängerung seines bisherigen Schaffens. Eine Neuerfindung ist das nicht: Vielmehr stapelt der anonyme Schlafzimmerproduzent aus seinem Apartment in New York heraus erneut melodische Verhallungen und zerfließenden Sprechgesang übereinander. Dabei zeigt sich jedoch eine subtile Evolution, die auf Verdichtung hindeutet, aber letztlich auf Reduktion beruht: Die Bässe stottern weniger, die Raps sind freigeräumt von zu viel Hall und der Rückgriff auf Motive aus Hip-Hop, Jazz und Funk ist noch eindeutiger als zuvor in die 20 Tracks eingewoben.

Zudem erscheint 200% Galcher – im Gegensatz zu Dark Bliss – nicht mehr auf dem Label White Material, sondern auf dem eigenem, bereits 2015 gegründeten Lustwerk Music. Das könnte sich nicht nur deshalb zu einem der heißesten Drehkreuze für Deep House entwickeln – und auf bislang übersehene Genreperlen von Produzenten wie Quavius oder von Galchers Lustwerks Nebenprojekt Studio OST aufmerksam machen. Die murmeln zwar nicht, sind aber ähnlich betörend.

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