G. Rag & Die Landlergschwister

Im Dokumentarfilm »Full Metal Village« war es letztes Jahr zu sehen: Crowd-Surfing und Stage-Diving geht auch zum Spielmannszugmarsch. Und was die Metal-Fans beim Wacken Open Air da konnten, können die Bajuwaren schon lange: aus zutiefst mit Dünkel behafteter Folklore ›Seele‹ herauskratzen. Kommt eben darauf an, wer es wie und warum spielt.

    Fragt sich, warum Blasmusik wie diese hier von Interesse sein kann. Antwort, weil sie von G. Rag & Die Landlergschwister mit einer Indie-Rock-Attitüde präsentiert wird, mit der revoltierenden Haltung des: ›Wir lassen uns unsere Musik nicht von den gestrigen Schnarchsäcken wegnehmen.‹ Darüber hinaus könnte sie durchaus als New Orleans – Hommage durchgehen und knüpft zugleich etwas verspätet an jenes US-Folk-Revival an, das der Cohen-Film »O Brother where art thou« einst auslöste.

G. Rag & Die Landlergschwister – Landlergschwister (Gut Feeling / Broken Silence)

    G. Rag & Die Landlergschwister sind gewissermaßen der Rootsableger von G.Rag y los Hermanos Patchekos, der vor bald zehn Jahren in München gegründeten Crossover-Band, die Carribean, Americana, Volksmusik und einiges andere vermengt. Die Landlergschwister bewegen sich eher auf angestammtem Terrain, mit vergleichsweise subkutanen Erweiterungen der vertrauten Polkas und Landler. Als da wäre vor allem das Banjo, das hier eine unerwartete Klangfarbe in die Holz- und Blechblasarrangements bringt und eben nicht zum anekdotischen Kolorit wird, wie etwa der als verschleppter Funkbeat getarnte, langsame Walzer »Kommissar Schmelz«. Der ist originell gemeint, aber letztlich dann doch zu lässig gespielt. Groovt nicht, amüsiert.

    Diese Musik hat dann ihre schönsten Momente, wenn sie ganz auf ihre Solidität vertraut, keine ironischen Brücken baut, oder sich mit dem sonst üblichen Cross-Over-Schrecklichkeiten aufmotzt. In der Regel vertraut sie hier ganz der Überzeugungskraft bewährter Taktarten und überschaubarer Arrangements. So bringen G.Rag & Co auch die beiden Coverversionen von Hank Williams »Ramblin’ Man« und »I’ll Never Get Out Of This World Alive« sehr solide über die Bühne. Nur das Singen sollte, wo es gerade mal stattfindet, nicht nur durchs Megafon gehen. Auch Tom Waits, der hier möglicherweise Pate in Gedanken gewesen sein mag, benutzt diesen Stimm-Verstärker nur partiell und stets bewusst. Als Dauerentschuldigung für vokale Äußerung hätten’s des hier nicht nötig gehabt. Der Rest is a Gaudi!

LABEL: Gut Feeling

VERTRIEB: Broken Silence

VÖ: 06.06.2008

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