Future Islands streamen ihr neues Album Singles

Future Islands   FOTO: Timothy Saccenti
Future Islands   FOTO: Timothy Saccenti

Singles, das neue Album der Future Islands, gibt es nun im Stream. Vorher sollte man sich aber die Performance der Band (und die von Le1f) bei Letterman anschauen.

Eigentlich bleibt es recht unverständlich, warum so oft in so vielen Musikmedien über TV-Auftritte zwischen Jimmy Kimmel Live! und Circus HalliGalli berichtet wird. In den meisten Fällen ist das aufzuführende Lied bereits bekannt und die sterile Situation des Showstudios bietet oftmals höchstens Raum für die eine oder andere komische Einstellung, mehr nicht. Auch die gefühlt hundertste Tanz- oder Rap-Nummer vom neuen Tonight-Show-Moderator Jimmy Fallon und seinem Buddy Justin Timberlake bietet mittlerweile nur zaghaftes Amüsement. Umso erstaunlicher, dass es in der Late Show with David Letterman nun innerhalb weniger Tage zu gleich zwei denkwürdigen Auftritten kam.

Den ersten bestritten Future Islands mit »Seasons (Waiting On You)«, der ersten Single aus Singles, ihrem neuem Album, das am Freitag bei 4AD erscheint. Sänger Samuel T. Herring droht auf der Bühne fast zu zerplatzen. Nur mühsam scheint er stillstehen zu können, immer wieder taucht er ab und wieder auf, die Augen weit aufgerissen ins verdunkelte, starre Publikum gerichtet. Die Verzweiflung des vom Warten zermürbten lyrischen Ichs greift voll und ganz auf ihn über. Herring zieht seinen Gesang immer tiefer ins Heisere und Raue hinein, bis er fast monströs wirkt, von der Liebe entstellt. Es ist ein packender Aufruf gegen jegliche Form von Apathie und gleichzeitig gelingt es Samuel T. Herring so auch die zweite, fade nachschmeckende Qualität von »Seasons (Waiting On You)« doch noch zu dekonstruieren: Entsprechend geschnitten taugt der hymnische Hit nämlich auch als Werbesoundtrack für traditionsbewusste Automarken oder etwa Partnervermittlungen. Auch David Letterman war nachhaltig beeindruckt.

Welche Qualitäten der Rest von Singles in sich trägt, offenbart derweil der Album-Stream auf npr.org.

Aber zurück zu Letterman: In der Folgewoche war dann der Rapper Le1f mitsamt zweier Tänzer und einer Band rund um Devonte Hynes alias Blood Orange zu Gast bei dem 66-jährigen Showmaster. Auch Le1f performte atemlos sein Stück »Wut«. Der Song ist zwar bereits zwei Jahre alt, aber ein »klappernd-knarzender Dreiminüter als perfekter Schulterschluss zwischen präzisen Flows, modischen Wagnissen und ausgeklügelten Tanz-Performances« und außerdem auf der Hey EP zu finden, die der New Yorker gerade bei Terrible Records & XL Recordings veröffentlicht hat. Dass ein derart vielversprechender und talentierter Künstler, der alternative und queere Rap-Musik mit klaren Ballroom-Bezügen verbindet, ohne große Albumpromo im Rücken in einer derartigen, landesweiten TV-Institution auftreten kann, ist schlichtweg großartig.

Die folgende Diskussion unter dem YouTube-Video der Show zeigte aber leider auch, dass es noch unzählige weitere solcher Performances geben muss. Vom »Tode des HipHops« ist da die Rede, davon, dass nur Frauen Röcke tragen sollte oder allerhöchstens Kanye West, da dieser darin wenigstens noch »männlich« aussehen würde. Oder aber es wird beklagt, dass nach den weißen Kids nun auch auch noch offen Schwule das Rap-Game sabotieren. Ja, was erlauben die sich bloß? Le1f äußerte sich nur kurz auf Twitter dazu: »nearly all the negative feedback i get is from straight black rap fans and ignorant middle americans. what do they have in common?? phobia«

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