Foto: Lady Lusen

Isla Del Rojo
„Kay Pacha“
vom Album Isla Del Rojo (2017)

Eine schwedische Band, deren Mitglieder meines Wissens auch viel Exotica gehört haben. Stilistisch lässt sich das schwer einordnen. Der Gitarrist Daniel Ögren hat viel bolivianischen Folk gehört. Aber er und der Schlagzeuger Ulrik Ording haben ihre Wurzeln im Jazz und der Improvisation. Dementsprechend hat man das Gefühl, dass die Musik sehr frei ist. Ja, und dann sind da auch irgendwie Pop-Einflüsse. Kann man das so nennen?

Natürlich, Pop ist doch ein sehr weites Feld.
Ich meine damit, dass sich die Musik einfach und leicht anfühlt. Und sie lässt diese Landschaft entstehen, von der ich eben sprach. Man betritt etwas, wenn man diese Band hört.

Janis Joplin
„One Good Man“
vom Album I Got Dem Ol’ Kozmic Blues Again Mama! (1969)

Janis Joplin habe ich bisher fast nie in Interviews erwähnt. Wahrscheinlich ist sie aber die Künstlerin, die ich im Alter von 15 bis 18 am häufigsten gehört habe und von der ich am nachhaltigsten inspiriert wurde.

Der Soundtrack ihrer formativen Jahre also?
Patti Smith und Diamanda Galás waren auch Teil dieser Zeit, aber nicht so sehr wie Janis Joplin. Das ganze Album ist fantastisch. Ich mag dieses Stück besonders, da es so langsam und wuchtig ist. Und für mich hat sie eine der besten Stimmen der populären Musikgeschichte.

Klingt, als hätten Sie Joplin gerade erst für sich wiederentdeckt.
Und das ist auch gut so! Sie hat sich als Künstlerin von Normen befreit, um genau das zu tun, was sie tun wollte und sich dabei in der Art zu präsentieren, die sie für richtig hielt. Deshalb fühlt sich ihre Musik für mich sehr persönlich und einzigartig an. Sowohl aus einem ästhetischen, als auch einem musikalischen Blickwinkel.

Swans
„You Know Nothing“
vom Album White Light from the Mouth of Infinity (1991)

Ich mag dieses Album und besonders dieses Stück, da man Neo-Folk-Einflüsse heraushören kann – oder zumindest höre ich die. Man hört, was für eine wandelbare Band Swans sind. Sie bewegen sich in die Richtung, in die sie möchten. Außerdem hört man darauf Michael Giras Stimme ungewöhnlich deutlich, er ist ein großartiger Sänger.

Sie waren 2016 mit der Band auf Tour. Was haben Sie davon mitgenommen?
Es war inspirierend zu sehen, dass man so lange Musik machen kann und die Leidenschaft nicht verliert.

Und wie bekommt man das hin?
Ich glaube, dass Arbeit der Schlüssel ist. Auf Tour zu sein hat eine physische Komponente, die man wertzuschätzen lernen muss. Das werde ich beibehalten, wenn ich in Zukunft wieder auf Tour gehe: Fürchte dich nicht vor physischer Arbeit! Sei aktiv, baue dein Zeug selbst auf, verschiebe es, sei präzise. Schön zu beobachten war aber auch, wie innovativ Swans auch unterwegs waren. Sie haben neue Stück geschrieben und sie direkt auf der Bühne geprobt.

Haben Sie diese Technik auch auf ihr neues Album Dead Magic übertragen?
Einige Stücke von Dead Magic habe ich tatsächlich schon damals auf Tour live gespielt, jeweils zum ersten Mal. Und dann auch noch als Trio, also in einer verkleinerten Band. Es war also eine neue Erfahrung und ich war ganz schön nervös. Aber wenn man an seiner Kunst festhält und an sie glaubt, kann man alles erreichen. Deshalb war es am Ende ein erhebendes Erlebnis. Es war viel besser, als ich dachte. Ich fühlte mich stark.

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