Fünf Songs zur Zeit: Anna von Hausswolff „Bau dein Zeug selbst auf!“

Foto: Anders Nydam

Anna Michaela Ebba Electra von Hausswolffs Name ist so vielschichtig wie ihre Musik. Seit Jahren steht die Schwedin für die gottlose Zusammenführung von naturverbundenem Folk, nordischem Metal-Gegrummel und anderen nachtschattigen Klangbausteinen. SPEX hat sie nach den Zutaten dieses Gebräus gefragt – und fünf Songs bekommen, die sie bei der Arbeit an ihrem Anfang März erscheinenden vierten Album Dead Magic inspiriert haben.

György Ligeti
„Atmosphères“
vom Album Atmosphères (1961)

Anna von Hausswolff: Das Stück wurde 1961 als Auftragsarbeit für das deutsche Radio komponiert. Das ganze Album hatte immensen Einfluss auf mich und meine Art Musik zu komponieren, darauf, wie ich über Klang und die Möglichkeiten einer Orgel nachdenke. Er hat das Stück für ein Orchester geschrieben, bekannt wurde es allerdings durch 2001: A Space Odyssey von Stanley Kubrick. So bin auch ich auf das Stück aufmerksam geworden.

Bei Ligeti hätte ich sofort auf Kubricks Shining getippt.
Es ist aber perfekte Weltraummusik. Ligeti arbeitete mit einer Technik namens Mikropolyphonie, die ich jetzt nicht versuchen werde zu erklären. (lacht)

Nur zu.
Es geht darum, vertikal zu komponieren. Ich mag die Idee, Klangflächen zu erzeugen, die aus verschiedenen Noten bestehen. Und tonnenweise Obertönen, die eine gemeinsame Bewegung erzeugen, diesen einen Klang.

Haben Sie 2001 eigentlich gesehen, bevor sie die Orgel für sich entdeckten, oder umgekehrt?
Der Film kam zuerst. Später habe ich dann über Stücke nachgedacht, die auf einer Pfeifenorgel irgendwie funktionieren könnten. Und das hier passte fantastisch.

Yma Sumac
„Remember“
vom Album Miracles (1972)

Yma Sumac ist eine peruanische Künstlerin, die in den Vereinigten Staaten gelebt und innerhalb des Genres Exotica gearbeitet hat. Daher kennen die Leute zumindest ihre Stimme. Allerdings war sie im Verlauf ihrer Karriere in vielen verschiedenen Bereichen aktiv, Miracles ist beispielsweise fast schon Rockmusik. Allerdings von dem Exotica-Altmeister Les Baxter produziert.

Was macht Sumac für Sie so wichtig?
Vor einer Weile sagte ich meinem Gesangslehrer in Kopenhagen, dass ich meine Stimme mehr erkunden und mit ihr experimentieren möchte. Er fragte nur, ob ich schonmal von Yma Sumac gehört hätte. Was mir bei ihr sofort auffiel, war ihr extrem großer Stimmumfang. Sie hat diese flötenhafte Stimme, kann aber auch in einem sehr tiefen Bariton singen. Sie kann in einer Art mit ihrer Stimme arbeiten, dass sie fast wie ein Tier oder ein alter Mann klingt. Das war extrem inspirierend für mich.

Sie ließen in der Vergangenheit oft Exotica vor Ihren Konzerten abspielen. Warum?
Exotica hat stark geprägt, was ich mit meiner Musik erreichen will. Wie wenn man einen fiktiven Dschungel betritt, der sich durch die Geräusche extrem realistisch anfühlt. Man bekommt eine genaue Vorstellung davon, wie die Landschaft aussieht. Das soll meine Musik hervorrufen. Nicht zwangsläufig einen Dschungel, klar. Aber sie soll eben einen lebhaften und lebendigen Eindruck vermitteln – durch Klang.

Eine Playlist mit allen genannten Songs finden Sie am Ende des Interviews.

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