Fucked Up

Der Bandname stimmt schon einmal. Das zweite Album der aus Toronto stammenden Band fängt leise und langsam an, bis schließlich ein markerschütternder Schrei den Startschuss für die nächsten dreizehn Stücke gibt: Fucked Up sind auf der bösen und schnellen Seite des Musikwesens zu Hause. Der musikalische Nenner heißt ungefähr Hardcore, vielleicht auch Punk Rock, auf keinen Fall jedoch Indierock oder Pop. Hier geht es martialisch zu. Und Sänger Pink Eyes, der männliche Gegenspieler zu Beth Ditto von The Gossip, klingt, als ob er sich nur von Hirschen ernähren würde: röhrend und verstörend, grantig und krakelig. Mit Betonung auf dem E. So etwas muss man natürlich mögen, vielleicht muss man gar eine ordentliche Familien- oder Sozialproblematik vorweisen, um sich in diesem Kontext überhaupt zurechtzufinden, wer weiß, für einen sonnigen Sonntagmorgen mit neuer Freundin oder neuem Freund taugt diese Musik jedenfalls nichts.

    

Die ruhigen Momente der Platte, die es durchaus gibt – meist als lang gezogenes Intro, beispielsweise im dritten Stück, der Ouvertüre zu »Days Of Last« – sind reine Täuschung. Hier geht es hart und grölend zu. Die ausarrangierten Gitarrenbetten, die sanfteren Keyboards, gar die sirenenhaften Frauenchöre in »Crooked Head«: Alles dient Pink Eyes’ Erleichterung des Magens. Was das Ganze fast schon wieder lustig und interessant macht: Hardcore, fast mit Grindnähe, erfährt eine – sagen wir – psychedelische Anwehung. Der heraus gebrüllte Schmerz kommt in farbenfroher Ausstattung.



    Für das Genre selbst (falls es das überhaupt noch gibt, die Höhepunkte liegen bekanntlich schon länger zurück) stellen Fucked Up gewiss eine Herausforderung dar – für alle anderen auch. Insofern muss man konstatieren: Ein Lauschgang lohnt sich. Während »The Chemistry Of Common Life« also Härte in bunten Facetten demonstriert, zeigen Fucked Up auch im echten Leben, dass sie keinen Spaß verstehen: So haben sie nämlich einen Prozess gegen den Rolling Stone und die Marke Camel angestrengt, einer Erwähnung ihres Bandnamens in einer unlauteren Zigarettenwerbung wegen. Sie sollten ihr Recht bekommen.

LABEL: Matador / Beggars Group

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 17.10.2008

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