Fuck Buttons Street Horrrsing

In die Tradition von experimentellen DIY-Bands, deren Sound ein Amalgam aus Noise, elektroakustischen Klangspielereien und Rock bildet, lassen sich auch die aus England stammenden Fuck Buttons einordnen. Ihre Musik basiert auf drei einfachen, stets aufs Neue kombinierten Parametern: Rhythmus, Melodie und Verzerrung. Die Songs klingen aber keinesfalls wie am Reißbrett entworfen, sondern beweisen eine ungezwungene Lust am Musizieren. Spontaneität und Intuition stehen hier über logischer Deduktion und mathematischer Präzision.

    Die fesselnde Kraft der Verzerrung spielt eine essentielle Rolle für Andrew Hung und Benjamin John Power. Ihre unschuldig anmutenden Melodieführungen – sie entspringen teils selbst gebauten Klangerzeugern und süssen Casio-Keyboards – werden durch infernalische Distorsionen zu dichten Drones gepresst. Die Melodik droht dabei in einem Wust interferierender Frequenzen verloren zu gehen, trotzdem sticht sie aus der zähen Klangmasse stets hervor, denn das Duo aus Bristol überschreitet die Grenze zum reinen Lärm niemals ganz, sondern bewahrt sowohl Melodie als auch Songstruktur und hält sie durch einen rhythmischen Puls zusammen. Im Stück »Ribs Out« kommt das musikalisch vollendet zur Entfaltung. Dabei musizieren die Fuck Buttons auch mit ethnografischem Blick. Sie vermischen tribalistische Polyrhythmen mit hysterischem Gesang, der – stark mit Delays und Hallgeräten traktiert – klingt, als sei die Tierwelt des Regenwalds in heller Aufruhr.

    Allerdings zerstört genau dieser gnadenlos verfremdete Gesang häufig die musikalische Trance, hinter der Fuck Buttons her sind. Die Vocals in anderen Stücken sind einfallslos ausgeführt, ergänzen weder das hypnotische Fließen der Musik, noch schaffen sie es, interessante Reibungen zu produzieren. Es scheint, als solle mit ihnen die Aggressivität der jeweiligen Stücke verstärkt werden, allerdings besteht dazu gar keine Notwendigkeit. Die Fuck Buttons klingen nämlich dann am schönsten, wenn sie den Mund halten und sich einfach der gleißenden Pracht ihrer sonnendurchfluteten Drones hingeben – so wie es im konsequentesten Stück, »Race You To My Bedroom – Spirit Rise«, eindrucksvoll nachzuhören ist.

LABEL: ATP Recordings / RTD

VERTRIEB: Neuton

VÖ: 20.03.2008

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