Strahlt heller als ein Supermarkt im Neonlicht: das Fuchsbau Festival auf dem Gelände der Alten Ziegelei – präsentiert von SPEX.

Das diesjährige Motto des Fuchsbau Festivals lautet schlicht und einfach: Supermarkt”. Deshalb befindet sich im Zentrum des Logos auch ein vergoldeter Einkaufswagen, der aber keinesfalls als Glorifizierung des Kaufrauschs verstanden werden darf, sondern als kritischer Kommentar zur Kommerzialisierung unserer Zeit. Mit seiner siebten Ausgabe wirft das Festival-Team wichtige Fragen auf: Welche Art von Ästhetik entsteht aus Massenware und Popkultur? Und wie ist Freiheit und Solidarität trotz Kapitalismus möglich? Nach Antworten wird in Gesprächsrunden, Workshops und interaktiven Performances gesucht.

Quadratisch, praktisch, phänomenal: das Fuchsbau Festival 2017 (Foto: Helge Mundt).

Doch keine Sorge, auf dem Gelände der Alten Ziegelei Lehrte wird natürlich vor allem gefeiert. Beim Konzert von Sascha Ring aka Apparat zum Beispiel, der nach mehrjähriger Solokünstler-Abstinenz im März ein neues Album veröffentlicht hat. LP5, bei Mute erschienen, beinhaltet düster-verträumten Ambient-Pop, der minimalistischer ausfällt als bei Krieg und Frieden von 2013. Das funktioniert live auch deshalb so gut, weil sich Apparat beim Singen nicht nur elektronisch, sondern auch analog begleiten lässt. Seinen Auftritt sollte man sich nicht entgehen lassen, denn er ist der einzige auf einem deutschen Festival.

Der gemeinnützige Kulturverein, der hinter dem Festival steckt, hat das Line-up gewohnt progressiv ausgewählt: Mit dem Kollektiv Creamcake aus Berlin etwa, das einen Abend lang den Clubsound dekonstruiert. Und mit Natascha P. und Preach von One Mother, die der deutschen Mehrheitsgesellschaft ihre Kartoffeligkeit austreiben wollen. Tanzbare Basslines steuert Lennart Wiehe bei, der gerne auch die Boys und Girls aus dem Berghain beglückt. Und wenn wir schon beim Raven im Fuchsbau sind, machen wir mit DJ Stingray weiter, einem Urgestein aus der Detroiter Techno-Szene, der eindeutig zu den erfahrensten Füchsen des Festivals zählt.

Nach dem Konzert ist bekanntlich vor dem Diskurs: Da sollte man mal zu Munroe Bergdorf pilgern, die als LGBTQ+-Aktivistin über die Ästhetik von politischen Protesten spricht, und zu Queer- und Medienwissenschaftler_in Shaka McGlotten, die sich die Verstrickungen von alltäglicher Liebesbekundung, Daten und race mal genauer angesehen hat. Außerdem empfehlenswert: Der Besuch von Caren Miesenbergers Feminist Meme School und Max Czolleks Lesung aus seiner Streitschrift Desintegriert euch!. Danach tanzt es im Kopf genauso wild wie auf der Fläche – neue Erkenntnisse garantiert.

Das komplette Line-up gibt es hier.

SPEX präsentiert das Fuchsbau Festival
09. – 11.08 Lehrte – Alte Ziegelei