Frog Eyes „Tears Of The Valedictorian“ / Review

Es ist ein Drahtseilakt zwischen schon leicht im Peinlichen fischenden Kitsch und der betörenden Opulenz, die bisweilen nötig ist, um die großen Gefühle zu wecken. Ein ständiges, unsicheres Tänzchen, das Frog Eyes aus British Columbia, Kanada, nun seit gut sechs Jahren wagen; auf ihrem mittlerweile vierten Album wackeln sie nur mehr kaum, manchmal kippen sie dann doch. Die Band, die es nicht zuletzt dank der Beteiligung von Mastermind Carey Mercer an der Indie-Rock-Supergroup Swan Lake (mit Spencer Krug von Wolf Parade und Dan Beyar von den New Pornographers) vor allem in Nordamerika schon zu Prominenz gebracht hat, ist mit »Tears Of The Valedictorian« ihrer Vorliebe für barocken Zierrat ebenso treu geblieben wie ihrem Signature-Sound: Mercer – ein kieksender Tom Waits; Frog Eyes – die Schnittmenge aus Magic Band und weniger feinfühligen Arcade Fire.
    Die ungestüm auf uns hereinbrechenden, aus etlichen Schichten an Gitarrenwänden, Keyboardgeklimper und Schlagzeugkrieg wasserdicht zusammengesetzten Stücke – durchwegs zwischen Jubel und Jammertal changierend – arbeiten am epischen Breitwandformat, komplett mit Falltüren und unerwarteten Wendungen. Passend, dass Mercer für Alltäglichkeiten wenig übrig hat: Seine Texte werden von Generälen, Zwergen, Geistern und Mönchen bevölkert, Vergil wird angerufen, man hört von einer PROPHECY (in Großbuchstaben!). Mitunter gestaltet sich der von Gurren, Röcheln und Klagelauten durchzogene Schwanengesang dann doch eine Spur zu gestelzt. Wer leidet hier am Besten? Offenkundig war die Schöpfung eines »Meisterwerks« inklusive größtmöglicher Bedeutsamkeit erklärtes Ziel. Dafür hat es dann doch nicht ganz gereicht. Eine sehr gute, rauschhafte Platte, deren Pathos selten unangenehm aufstößt, haben Frog Eyes aber allemal geschafft. Ein engmaschig geknüpfter Teppich aus Verweisen und Anspielungen musikalischer und literarischer Natur, durchsetzt mit unzähligen eigenen Ideen. Nach all der enormen Bilderflut begnügt sich »Tears Of The Valedictorian« mit einer nur einminütigen Abschlussnummer und zwei knappen Zeilen: »Into the Water, My Boats Will Go«.
    Ein versöhnlicher Abschied, begleitet von wohliger Beklemmung.

LABEL: BB*Island / Absolutely Kosher

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 22.06.2007

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.