Friends Of Gas: Nicht verstehen – oder falsch / Feature, Tour & neues Video

Kürzlich erschien Fatal Schwach, das grandiose Debütalbum von Friends Of Gas. SPEX präsentiert die Tour und zeigt das neue Video zum Song „Teeth“.

Kürzlich plagte Nina Walser ein Alb: Sie – als Champagnerflasche verkleidet – auf einer Bühne, das Debütalbum Fatal Schwach von Friends Of Gas vorstellend, das sich dabei aber ungeheurerweise in eine Kompilation von Nina-Hagen-Covern verwandelte. Als Walser am Ende des Interviews davon erzählt, lacht die Band. Man gedankenspielt mit den Möglichkeiten des Schaumwein-Styles, lobt die frühe Hagen. Doch ließe sich traumdeutelnd daneben auch noch eine Doppelwendigkeit aus Sorge und Koketterie mit und um das Missverständnis herauslesen, das Wesen der Travestie also, das ja bei Hagen nicht ganz unwichtig war und unter ganz anderen Vorzeichen nun ein wesentliches Stilmittel von Friends Of Gas darstellt.

Doch cold facts first: Friends Of Gas sind das Resultat aus Freundschaft und Gelegenheit. So subsummieren Nina Walser und Thomas Westner seit ihren Teenagerjahren verschiedenste Musikprojekte unter jenem Begriff. Später landen beide in München, lernen dort die Musikerin Veronica Burnuthian kennen, deren damalige Band 2014 von Die Nerven als Vorband angefragt wird. Als das nicht klappt, wendet sich Burnuthian an Friends Of Gas, zusammen schreiben sie in nur zwei Wochen ein 40-Minuten-Set. Das ewig offene Friends-Of-Gas-Kollektiv scheint damit eine feste Form gefunden zu haben, und ein gutes Jahr später spielen sie unter der Regie von Nerven-Mann Max Rieger ihr Debüt ein.

Burnuthian ist seit Jahren Fixstern jenes Kosmos aus DIY-Bands rund um das Münchner Veranstaltungslokal Kafe Kult. Dort sei Musikmachen Selbstzweck und frei von Zielgruppendesign. „Hier darf Musik auch scheiße sein“, sagt sie. Die von Friends Of Gas ist es nicht. Die Rhythmussektion um Martin Tagar, Bass, und Erol Dizdar, Schlagzeug, legen durch ihr unprätentiöses, minimalistisches, dabei sehr konzises Spiel ein Fundament, darauf die Gitarren von Burnuthian und Westner frei ihr atmosphärisches Vexierspiel zwischen Krautrock, Postpunk und Dream Pop fabrizieren können. Der Balanceakt zwischen stilistischer Heterogenität und eigener Handschrift gelingt; Friends Of Gas beeindrucken mit ausufernden Intros und Instrumentalteilen.

Dabei bemüht sich die Band um größtmögliche Offenheit, die wiederum mit den Texten Walsers korrespondiert, ihren Gesang kontrapunktiert. Mit fast demagogischer Stimme ächzt, nuschelt, schreit, souffliert sie ihre Texte ins Mikro, mal auf Deutsch, mal auf Englisch, kratzt dabei immer am Anschlag und benutzt ihr Organ wie ein Werkzeug. Nicht zuletzt ob der Verkleidung ihrer Texte in jene Klangpatina lassen sich diese thematisch nur grob zwischen den Polen intim/ernst und politisch/ironisch verorten. Bewusst wird hier klanglich wie poetisch ein dauerndes Ver- und Entwirrspiel betrieben, mit der Konsequenz einer partiellen Aufgabe der eigenen Bedeutungshoheit. „Ich verstand ihre Texte oft gar nicht oder falsch“, meint selbst Westner, während diese mit den Missverständnissen weiterarbeitet. „Ich mag es überhaupt, meine Texte akustisch zu verschlüsseln.“ Die Musik von Friends Of Gas ist freies Sich-Verhalten und gerade da, wo sie am eindeutigsten scheint, an expliziter Unexplizitheit interessiert.

Dieses Feature ist in der Printausgabe SPEX N° 371 erschienen. Das Heft ist nach wie vor versandkostenfrei im Onlineshop zu haben.

SPEX präsentiert Friends of Gas live
13.01. Leipzig – Hxndstxnd und Morxl
14.01. Berlin – Lido w/ The Robocop Kraus
14.02. Chemnitz – Atomino
15.02. Dresden – Ostpol
16.02. Berlin – Schokoladen
17.02. Hamburg – Hafenklang
18.02. Bremen – Lagerhaus Etage 3
19.02. Bonn – Bla
21.02. Jena – Glashaus im Paradies
22.02. Würzburg – Kellerperle
23.02. Darmstadt – Oetinger Villa
24.02. Schorndorf – Manufaktur
25.02. Karlsruhe – P8

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