Freitag, der 25. Januar

Die relevanten Neuerscheinungen vom Freitag, 25. Januar 2013

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  • Tocotronic Wie wir leben wollen
    Vertigo Berlin / Universal Music
    […] Auch wenn dieser Begriff in der Popmusik als Kriterium meist deplatziert wirkt, hat sich hier (musikalische) Authentizität eingeschrieben. Und diese geht über in die Form der Stücke, auch sie verkörpern eine neu erfundene Originalität. So hat die Ausdifferenzierung, das experimentelle Genre-Mash-up im lose geschnürten Korsett ›Tocotronic‹, weiter um sich gegriffen, mit langen Armen, fast Tentakeln, bis in die Country- und Western-Gefilde der Südstaaten (»Chloroform«), getragen von vielseitig-vielsaitigen Gitarren. Sowieso: Rick McPhail ist nicht mehr wegzudenken, ganz stark mitverantwortlich für die stetig fortschreitende Qualität in der Instrumentierung. Auch der Bass groovt wie nie zuvor, passt einfach perfekt. Die organische Musik von Tocotronic ist hier mehr als Schall und Wahn. Ohne retro zu sein – höchstens retro-futuristisch – inszenieren die 17 Stücke dabei oft die Atmosphäre eines alten Gruselfilms (kein Horror, kein Splatter – Grusel!), sind – wie etwa in »Warm und grau« – geisterhaft verspielt … Die gesamte Rezension von Hendrik Otremba findet sich hier.

  • Foxygen We Are The 21st Century Ambassadors Of Peace & Magic
    Jagjaguwar / Cargo
    Da hat jemand eine Jukebox, ach was, eine ganze Musikbibliothek verschlungen und wieder ausgespuckt. Und, Oh Faszinosum!, das neue Produkt schmeckt fast genauso gut wie das Original. Nur mag dieser plastische, aber eklige Vergleich der gezuckerten Musik von Sam France und Jonathan Rado nicht zwingend gerecht werden. Es sei deshalb schnell vergessen! Das »21st Century« klingt hier wie sein Vorgänger, der überaus clevere Zitatepop bedient sich nonchalant nur beim besten vom besten. Eine derart kunstfertige Verschränkung der Musikgeschichte lässt allerdings die Retro-Diskursfahne winken und sich einfach an der Musik laben. Das schlechte Gewissen beruhigt dabei die Tatsache, dass das US-Westküsten-Duo nicht nur (love,) peace (& harmony) großschreibt, sondern auch abseitige Haken zu schlagen weiß, die tatsächlich als Magie verstanden werden dürfen.

  • Ducktails The Flower Lane
    Domino / Rough Trade
    Der Abgesang auf Dream Pop wurde bereits gehalten, nur will mensch zu gern im Guten scheiden. Wie passend da diese Platte daherkommt! Aber falsch gedacht! Was Matt Mondanile hier unter Mithilfe von u.a. Daniel Lopation ausgetüftelt hat, klingt auf halbem Ohr vielleicht nach dem verträumten Gegenwartsschatten, ist bei genauerer Auseinandersetzung aber viel zu komplex und subtil dafür. Pathos und Schwurbel legen dem Team gleichermaßen fern und so gerät der spröde Einsatz von Saxofon, Synthesizer und Piano zu einer Popsignatur, die sich umgehend einbrennt und lange nachhallt. »Under Cover« beispielsweise dudelt und dudelt und …

  • FaltyDL Hardcourage
    Ninja Tune / Rough Trade
    Drew C. Lustman aus New York geriert sich als einer der größten Eklektiker im Bereich der elektronisch Musik. Dabei geht es ihm auf seinem dritten Album nicht um das Nachspielen verschiedenster Stile von Bleep bis House, Dubstep bis UK-Garage, sondern um deren gekonnte Verschränkung. Nicht nur in »Kenny Rolls One«, auch im von Friendly-Fires-Mann Ed MacFarlane besungenem »She Sleeps« scheinen sich die einzelnen Ebenen gegeneinander schieben. Immer wieder gibt es fein sezierte Stimmungsumschwünge. Gen Ende strömt sogar mit »Re Assimilate« etwas Funk und Soul ein. So wohnt dem Album bis zum Schluss eine angenehme Leichtigkeit inne. Die Club-Schwester der jüngsten Dntel-Platte.

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