Musik von morgen: Freak Heat Waves „Beyond XXXL“ / Review & Album-Vorabstream

Alle drei Jahre wieder: Freak Heat Waves aus Kanada bauen ihren vormaligen Post-Punk-Klang mit jedem neuen Album aus und haben in erster Linie Spaß daran. Das hört man auf Beyond XXXL – SPEX streamt das komplette Album vorab.

Steven Raymond Lind und Thomas Alfred Di Ninno sitzen im Keller des Torontoer Clubs Smiling Buddha und geben ein Interview. Es ist der Sommer 2015 und die beiden haben gerade ihr Album Bonnie’s State Of Mind bei Hockey Dad Records aus Vancouver rausgebracht. Der Aufnahmepegel ist hoch, manchmal rumpelt es übersteuert, im Stockwerk drüber ist gerade Soundcheck – Lind und Di Ninno tun wenig, um dagegen anzureden. Zu allem Überfluss unterlegt der Interviewer das Gespräch nachträglich mit Songs vom Album, einfach, weil es für ihn eines der besten 2015 war.

Zu dieser Zeit arbeiteten die beiden schon am Nachfolger Beyond XXXL, der am 6. April beim Torontoer Label Telephone Explosion erscheint. Ungefähr drei Jahre haben sich Di Ninno und Lind Zeit genommen, um dieses, sorry, Brett zu bohren. 2012 traten sie mit ihrem ersten Album auf den Plan, damals noch produziert vom im gleichen Jahr im Schlaf verstorbenen Women-Gitarristen Chris Reimer.

Überhaupt, Freak Heat Waves stammen aus dieser Preoccupations Mischpoke: Mit Mike Wallace spielten sie „on and off“ in einer Band namens Mount Royal, Scott Munro, heute Gitarrist der Preoccupations, half Bonnie’s State Of Mind zu produzieren, im Mai und April touren die Freaks mit Preoccupations durch Kanada und die USA.

Freak Heat Waves haben Das Studio als Instrument benutzt.

Lind und Di Ninno stammen aus Medicine Hat, gelegen im südlichen Alberta. Di Ninno belegte am dortigen College Kurse in visueller Kommunikation, wenn Mount Royal live spielten, wurden sie von der lokalen Presse auch gern mal die „crazy art guys“ genannt. Von Medicine Hat zog es Lind und Di Ninno nach Victoria, eine überschaubare Stadt an der Südspitze Vancouver Islands mit dichter Musikszene, wo sie sich eingruben, um an ihrem Klang zu basteln. Jetzt hat es sie, wie viele andere Bands, nach Montréal verschlagen.

Aus dem Keller-Interview im Smiling Buddha lernen wir, dass die beiden viel Freude am Ausprobieren und Aufnehmen haben. Dass sie sich für ihre Alben von Filmen wie Robo Cop oder John Carpenters Escape From New York inspirieren lassen. Dass sie Alben wie Filme machen wollen, die einen auf eine Reise mitnehmen und verschiedene Facetten verdichten. Dass ihre Musik, sollten sie sie als Mahlzeit beschreiben, einem All-You-Can-Eat-Buffet nahekäme. Und, sagt einer der beiden, wie sie sich selbst kennen, würde es mit dem nächsten Album noch drei Jahre dauern.

Jetzt ist 2018 und Freak Heat Waves landen mit Beyond XXXL auf dem Punkt. Wo sich Di Ninno und Lind vorher noch von anderen helfen ließen, haben die beiden das Album fast vollständig selbst produziert. Sie haben sich in ihre Instrumente und Produktionsprozesse reingefuchst, ihre Drum Machines und Synthies studiert, das Studio sozusagen als Instrument benutzt. Das hört man, denn die beiden setzen ihr Werkzeug sinnig ein, bauen diese facettenreichen Szenerien und tischen hier groß auf.

Beyond XXXL klingt nach Galerie und gleichzeitig nach verschwitzter Live-Location. Freak Heat Waves haben eine minimalistische Coolness an sich, sie bleiben aber hinreichend schräg, um noch dieses Weirdo-Ding zu fahren. Das ist ein Balanceakt, der auf dem Album gut gelingt und sich am besten in der Auswahl der ersten drei Auskopplungen „Self Vortex“, „Soothing Limbo“ und „Toxic Talk Show“ ablesen lässt.

Das Album ist eines, bei dem man mit jedem Hören etwas Neues entdecken kann. Das liegt an den Schichten, die Di Ninno und Lind gelegt haben. Man hört die Freude der beiden am Aufnehmen, man hört die Freude, verschiedene Stimmungen wachzurufen. Und ja, sie haben dieses XXXL transzendiert, sind jetzt drüber, über diesem Post-Punk, dem Kraut- und Art-Rock, sind in neue Gebiete vorgestoßen. Mal schauen, wo sie als Nächstes landen.

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