FRANZ FERDINAND
RIGHT THOUGHTS, RIGHT WORDS, RIGHT ACTION
DOMINO / ROUGH TRADE – 23.08.2013

Die Leser werden sich sicher an Franz Ferdinands frühe Single »Take Me Out« erinnern. Das Lied hat ja diesen Anfangsteil, in dem die Gitarren in simpler, aber hübscher Harmonisierung Dam-dam-dam-dam spielen und Sänger Alex Kapranos eine simple, aber hübsche Melodie dazu singt. Dieser Liedanfang war das erste, das der Verfasser dieser Zeilen von der Gruppe hörte, und er befand sofort, dies sei doch mal ein guter Lied-anfang, voller Spannung und Popmagie. Doch dann, auwei, gibt es ein Ritardando und dieser Uff-uff-uff-ufftata-Hauptteil des Liedes kommt und geht nicht mehr weg. Schrecklich! Mit diesem Empfinden befand sich der Verfasser natürlich in der Minderheit, denn das Ding wurde bekanntlich ein totaler Brüller.
   Dennoch: Eine ähnliche Dynamik lässt sich für das Gefühl des Verfassers auch dem Gesamtwerk Franz Ferdinands attestieren. Verhieß das erste Album mit seinen clever beobachtenden Texten und vielen hübschen Dam-dam-dam-Momenten (von denen man auch heute noch einige summt), einen weiten Popkarrierebogen voller aufregend weiterentwickelter Dam-dam-dams, erschien das an sich sehr ähnliche Dam-dam-dam der Folgealben dann eher belanglos und unmemorabel. Das ist eigentlich auf Right Thoughts, Right Words, Right Action, dem neuen und vierten Album der Band, auch nicht anders.
   Zwar setzen Franz Ferdinand ihre beim Vorgängeralbum begonnene Tendenz fort, das charakteristische Wimmer-wimmer und Blubber-blubber analoger Synthesizer einzuarbeiten, wie etwa im Stück »Stand On The Horizon«, wo der Keyboardeinsatz an Tango auf der Heimorgel erinnert. Doch sind sie eben nicht die subversiven Humoristen, die es braucht, um daraus interessanten Inhalt zu machen. Eher wirken die neuen Klänge wie angetackert an das alte Dam-dam-dam.
   An anderer Stelle erscheint das Stück »Evil Eye« wie eine humorige Hommage an The Clash und Blondie zu Zeiten, als diese ihrerseits mit mäßigem Erfolg die aufblühende HipHop-Kultur in ihr Schaffen zu integrieren versuchten. Aber trotz vertrauter Produktionsästhetik klingt auch dies eher nach Kindersendungsmusik als nach dem flotten Retro-Kunsthochschulpop, der Franz Ferdinand einst recht verführerisch machte. Ließen sie sich vormals über Verführungspotenziale während Matineefilmvorstellungen aus, bringen sie heute nur ein lapidares »sometimes / wish you were here« zustande.
   Der Verfasser wird das Gefühl nicht los, dass die Jungs es besser könnten; er glaubt es herauszuhören aus Alex Kapranos’ unverändert sonorem Bariton und auch aus seinem Falsett, selbst bei Wegwerfware wie der von Hot Chip produzierten Single »Right Action«. Der Verfasser vermutet, sie haben »es« immer noch in sich, aber verspüren keinen Drang, »es« noch einmal hervorzukitzeln; wer weiß, vielleicht könnten sie das Dam-dam-dam noch einmal vor Spannung knistern lassen, haben jedoch gar nicht gemerkt, dass es nicht mehr knistert, denn auch bei fadem Dam-dam-dam kreischen die Mädchen vor Begeisterung und werfen womöglich BHs auf die Bühne (2004, im Astoria in London, taten sie’s!) ob der harmlosen Sexiness dieser vier aufgeweckten, adretten Jungs.
   Jungs, genau darin besteht das »es«, das dem Verfasser fehlt: Früher sahen Franz Ferdinand – obwohl auch damals schon Ende 20 – nicht nur jungshaft aus, sie klangen auch so. Heute haben sie sich das Aussehen bewahrt, klingen aber wie Erwachsene, die jugendlich klingen wollen.

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