Franz Ferdinand „Always Ascending“ / Review

Franz Ferdinand waren einmal smart, sexy, innovativ, die Vorzeigeindieschwiegersöhne. Auf Always Ascending soll es wieder aufwärts gehen, doch ein paar Studiomusiker extra machen noch keine neuen Ideen.

Vielleicht trifft Franz Ferdinand am Ende gar keine Schuld. Vielleicht trifft niemanden überhaupt eine Schuld. Nicht Bloc Party und nicht Maxïmo Park, nicht die Strokes und nicht Interpol. All diese Bands aus der letzten Blütezeit der Gitarrenmusik, sie machen weiter, stolz und stoisch, aber interessiert uns Zuhörer das noch? Nicht im Jahr 2017, wo die liebste Zeitdiagnose der Popkritik doch so ging: Die Gitarre ist tot. Die Rockmusik ewig gestrig, zwangsnostalgisch, innovationslos. Ihre Geschichte auserzählt.

Dabei: Was waren das für irre Zeiten in den Nullerjahren. Als ein paar junge Männer aus Post-Punk und Punk, New Wave und Garagenrock die unzeitgenössischste zeitgenössische Musik zusammenklaubten und die Leute auf den Tanzflächen durchdrehten. Unter all diesen Revivalisten waren Franz Ferdinand die cleversten. Die kunsthistorisch geschulten Unikids, die sich der Erblast des Zitats bewusst waren: Wenn du es schon wiederholen musst, mach es sexier als die Urheber. Weshalb ihr Debütalbum bis heute Maßstab dafür ist, wie viel Lendendruck ein blasser, dürrer Typ in seine Gitarre legen kann.

Die Gitarrenjungs sind selbst schuld.

Und heute? Was soll ein armer Junge tun, wenn er in einer Rock’n’Roll-Band spielt, ihm der Rock’n’Roll aber unter den Händen wegstirbt? Ein Ratschlag aus dem Grundlagenhandbuch „Krisenmanagement für angeschlagene Unternehmer“: frisches Personal anheuern. Womit wir bei Always Ascending wären, dem fünften Album von Franz Ferdinand, das den Wunsch nach einer besseren Zukunft schon im Titel trägt. Für eben dieses Album hat die Band um Sänger Alex Kapranos zwei neue Musiker verpflichtet. Der ins bayerische Exil geflohene Gitarrist Nick McCarthy wich Dino Bardot, und weil die Neuausrichtung einer Band auch einen neuen Sound braucht, kamen zusätzlich noch Keyboarder Julian Corrie und Phoenix-Produzent Philippe Zdar dazu.

Allein, neu klingt auf Always Ascending wenig. Frisch auch nicht. Es ist derselbe alte Post-Punk mit müde gewordener Disco-Hüfte, der einem in Songs wie „Lazy Boy“ oder „Glimpse Of Love“ entgegenschwingt, aufgespritzt mit ein paar Synthie-Motiven. Man sollte diese altersträge Platte aber nicht als finale Bestätigung der These verstehen, dass die Gitarrenmusik tatsächlich am Ende ist. Ist sie nämlich nicht. Die New York Times hat kürzlich in einer vortrefflichen Webreportage festgestellt: Rock ist nicht tot, er wird beherrscht von Frauen wie Vagabon und den Crutchfield-Schwestern. Von Frauen also, die die Stereotype und Narrative des Rock neu zusammensetzen. Es sind nur die Gitarrenjungs, die zu diesem Diskurs nichts beizutragen haben. Und daran sind sie doch selbst schuld.

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