Frankie Cosmos – Gemeinsam furzen

Weirdo mit ständig verstimmter Gitarre: Greta Kline alias Frankie Cosmos ist Anfang September zu Gast beim Pop-Kultur Festival in Berlin. Mittlerweile hat sie das aktuelle Album Next Thing veröffentlicht. SPEX porträtierte die New Yorker Songwriterin bereits, als ihre Diskografie »nur« 47 Alben und EPs zählte – das Feature aus SPEX N° 365.

Warum eigentlich nicht Schauspielerin? »Weil ich kacke darin bin«, sagt Greta Kline knapp. Dann eben Musikerin. Wieso auch nicht? Schließlich ist die 21-jährige Songwriterin, Sängerin und Multidilettantin in die New Yorker Kulturaristokratie hineingeboren worden – und hatte schon vor ihrem zwölften Geburtstag mehr einflussreiche Musikschaffende getroffen, als die meisten normalsterblichen Musiker in ihrem ganzen Leben. Klines Vater, der Oscar-vergoldete Schauspieler Kevin Kline, gilt als Musikliebhaber, ihre Mutter Phoebe Cates wird auch nichts dagegen gehabt haben. »Ich wollte schon immer etwas erzählen«, sagt Kline. »Als Schauspielerin erzählt man aber nichts Eigenes.«

An Material mangelt es augenscheinlich nicht. Auf Klines Bandcamp-Seiten finden sich aktuell 386 Songs, verteilt über 47 Alben und EPs, veröffentlicht unter den Monikern Frankie Cosmos und Ingrid Superstar. »Das Internet ist genau die richtige Plattform für den extremen Output, den ich als Teenager hatte«, sagt Kline. Die meisten ihrer Songs kommen nicht über zwei Minuten Spielzeit hinaus, wirken wie Skizzen kleiner Pop-Kleinode und behandeln das, was einem künstlerisch begabten New Yorker Teenager eben so durch den Kopf geht. Much Ado About Fucking heißt ein Album, Collaborative Farting ein anderes. An besonders ereignisreichen Tagen schreibt Kline auf Basis eines bestimmten Themas schon mal eine ganze Platte. »Für mich sind Songs wie Einträge in ein Tagebuch«, sagt sie. »Und manchmal habe ich eben viel zu erzählen.«

Mit ihrem spröden Charakter erinnert Klines Musik an die LoFi-Hochphase der Achtziger und frühen Neunziger, als Bands wie Shop Assistants, The Pastels oder Teenage Fanclub amateurhafte Aufnahmetechniken, große Melodien und die lyrische Versiertheit eines Vorschülers zu einem unwiderstehlichen Gesamtkunstwerk modellierten. Auch die New Yorker Moldy Peaches und Jonathan Richmans einmalig ablehnende Ironie gegenüber den eigenen Gefühlen findet man in der Musik von Kline wieder.

Lo-Fi forever also? »Auf keinen Fall«, sagt die Künstlerin. »Das war eine Phase in meinem Leben, in der ich alles ungefiltert raushauen wollte.« Mittlerweile geht Kline selektiver vor, möchte nur noch die besten Songs veröffentlichen. Für ihre aktuelle EP Fit Me In hat sie mit elektronischen Sounds experimentiert, sie klingt darauf konzentrierter als bisher. Ein Fingerzeig in die Zukunft soll das allerdings nicht sein. Kline will weiter Gitarre spielen und Songs übers Furzen schreiben. »Als Weirdo mit ständig verstimmter Gitarre fühle ich mich am wohlsten.«

Dieser Text ist wie viele weitere Newcomer-Features in der Printausgabe SPEX N° 365 erschienen. Das Heft kann nach wie vor versandkostenfrei online bestellt werden.

SPEX präsentiert Frankie Cosmos live beim Pop-Kultur Festival
Mit Nancy Pants & Virginia Wing
31.08. Berlin – Keller
Alle weiteren Infos und Tickets gibt es hier.

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