Frankfurter Buchmesse

frankfurter-buchmesse-alexander-heimann
Foto (Ausschnitt) — Frankfurter Buchmesse / Alexander Heimann — Reste des Aufbaus

*

Die gute Nachricht gleich zuerst: Man muss gar nicht zur Buchmesse, die am heutigen Mittwoch in Frankfurt a.M. begonnen hat, fahren. Wer mit dem Literaturbetrieb beruflich nichts zu tun hat, muss ohnehin bis Samstag zu Hause bleiben, aber auch dann kann man sich sowohl die Anfahrt als auch die redundanten, kulturpessimistischen E-Book-Gespräche, die laut Direktor Juergen Boos unter dem Stichwort »Digitalisierungsdebatten« vermehrt geführt werden, sparen. 

   Ein gezwungener Plausch mit einem der 7000 Aussteller auf der Frankfurter Buchmesse, die sich selbst tatsächlich als »weltweit größte, oft sagenhafte« bezeichnet? Da kann man sich doch Besseres vorstellen! Nachfolgend also – frei nach dem Motto: das Richtige im Falschen – einige Dinge, die man (neben dem Lesen natürlich) rund um die Frankfurter Buchmesse bequem von zu Hause aus erledigen kann. 

  So kann man sich zum Beispiel alle Autorengespräche, die auf dem »blauen Sofa« geführt werden, per Livestream anschauen. Am morgigen Donnerstag um 12:00 Uhr spricht Richard Ford, der u.a. im New Yorker und im Esquire veröffentlichte, über seinen Roman Kanada, und um 16:00 Uhr ist die begeisternd-verrückte Fatalistin Sibylle Berg da, um über ihren neuen Roman Vielen Dank für das Leben (Beide Romane stammen übrigens aus dem gut aufgeräumten Bücherregal des Hanser-Verlags.) zu reden. Bergs Roman erzählt die Leidensgeschichte des Zwitters Toto. Von zu Hause aus kann man dann auch mit Sibylle Berg chatten und außerdem mit dem Buchpreisnominierten Clemens J. Setz, der stets abgeklärt über skurrile Dinge schreibt. Ein anderer der Nominierten, Wolfgang Herrndorf, wird der Veranstaltung aus gesundheitlichen Gründen fern bleiben. In seinem Fall liest man ohnehin besser den Blog, in welchem Herrndorf in nüchterner Sprache über Krankheit und Antrieb schreibt.

Einer darf natürlich nicht fehlen: Rainald Goetz, der mit seinem Gesellschafts-Abriss-Roman Johann Holtrop (besprochen von Cord Riechelmann in SPEX N°341) auf der Longlist des Buchpreises stand. Goetz wird am morgigen Donnerstag wild fuchtelnd am Zeit-Stand stehen, wie das aussieht kann man sich diesem Link folgend anschauen (das Video zeigt die Präsentation von Johann Holtrop im Gebäude des Suhrkamp-Verlags).

   Ach ja, fast vergessen, ein bisschen darf man sich noch über die Vergabe des Deutschen Buchpreises an die »Fleißkärtchenliterarin« (Richard Kämmerlings) Ursula Krechel aufregen und sich fragen, wo eigentlich die – wie soll man sagen, ohne gleich bescheuert zu klingen – junge, neue, rasante, spannende, formexperimentelle Literatur ist? Hoffen wir einfach, dass Bob Dylan in dieser Woche den Literaturnobelpreis verliehen bekommt. Der war zumindest mal jung.

*

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.