Françoiz Breut

Über Françoiz Breut werden eines Tages Filme gedreht werden, wie sie eigentlich nur über die Granden der europäischen Moderne so zwischen 1900 und 1930 entstehen durften. Unisono und auch noch zurecht, und das ist das Bemerkenswerte, wird heute bereits die Kühle bejubelt, die Breuts Stimme zu eigen ist. In aller Munde ist das Erstaunen darüber, die Sängerin zum ersten Mal auf der Bühne zu erleben und zu spüren, wie die Distanz in der Stimme von einer wundersamen Präsenz umspielt wird. Françoiz Breut ist der abwesende Körper, der eine Gegenwart der Stimme überhaupt erst ermöglicht. Und schließlich hat sie auch noch mit allen bedeutenden Songwritern ihrer Generation gearbeitet.

    »A l’Aveuglette« (»Auf’s Geratewohl«) bricht mit dem Netze spinnen. Erstmals hat die in Brüssel lebende Breut ein ganzes Album alleine getextet und ebenso erstmals sind die Songs ausschließlich in Zusammenarbeit mit ihrer Live-Band entstanden. So verschiedenartig die neuen Lieder klingen, entsteht Homogenität durch einige knapp einminütige Atmo- und Hörspiel-Einlagen, die den Kitt für die Dreieinhalb-bis Fünfminüter bilden. Neue Chansons für die Atmosphärenstarken sind Breut und ihren Compagnons Boris Gronembeger und Luc Rambo da gelungen. In »Mots Croisés« treffen alte Synthesizer auf freshe Vibrafone, »Mouchoir de Poche« schafft Lässiges mit Handclaps und Banjo, und mit »L’Automne avant l’Heure« ist Françoiz Breut eine schläfrige Hymne gelungen, in der sich Gitarrenspuren nach und nach, gleich bunter Blätter zum Outdoor-Teppich, zu einer weiten Fläche ansammeln. Das ist Naturalismus, Baby, und diesen Eindruck hinterlässt auch das einnehmende »Les Jeunes Pousses« (»Die jungen Sprösslinge«). Schon das Klöppeln im Intro wird man nicht mehr los. Nun, sie hat von den Besten gelernt.

    Ihr damaliger Freund Dominique A schrieb die Songs auf dem 1997 veröffentlichten Debüt »Françoiz Breut«, später sang sie Nouvelles Chansons von Jérôme Minière, Katerine, und Yann Tiersen. Als wäre all dies nicht bereits genug für einen Biopic mit Breut als Salon-pardon-Studio-Initiatorin mit allerlei Avancen, Amouren und Amoralien, war es auch noch ausgerechnet ihr vorbehalten, mit »Si Tu Disais« das Lied des Nouvelle Chansons schlechthin zu singen. Obendrein kursieren diverse Aufnahmen dieses Liedes in der Interpretation von Calexico featuring Françoiz Breut  und die Mariachi Luz de Luna und halten es so am ewigen Leben. Mit »A l’Aveuglette« konzentriert sich die Sängerin heuer ganz auf ihre Band, ihre Texte, ihre Stimme. Und gewinnt abermals hinzu.

LABEL: Le Pop Musik

VERTRIEB: Groove Attack

VÖ: 07.11.2008

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