Foreign Affairs – Konzertreihe zum Performing Arts Festival im Haus der Berliner Festspiele

Foto: Vessels / Bart Pettman

Es muss laufen. Das Musikprogramm des diesjährigen Festivals für Performancekunst in Berlin setzt auf gnadenlose Beats und noch gnadenlosere Rhythmusgruppen. An vier Hochsommertagen garantieren unter anderem die Post-Rock-spielen-Techno-denken-Truppe Vessels aus Leeds und die ägyptische Electro-Chaabi-Vereinigung Islam Chipsy & EEK Rinnsalbildung an den Schläfen.

»Der Tod ist gewiss, die Stunde ungewiss«, wird dem Herausgeber des Wandsbecker Boten in den Mund gelegt. Unser aller Ende ist also das kleine bisschen Sicherheit zu Lebzeiten. Der Rest: Uncertainty. Nicht von ungefähr trägt das Foreign Affairs Festival im Haus der Berliner Festspiele im Jahr eins nach Beginn der sogenannten Flüchtlingskrise diesen Titel. Einer Krise, die nur deswegen scheinbar überraschend kam, weil wir gut darin sind, vor Konflikten, die auf der Hand liegen, hartnäckig die Augen zu verschließen. Auch im fünften Jahr seines Bestehens möchte das Festival für zeitgenössische performative Künste das Gegenteil bewirken. Im Zentrum steht diesmal unter anderem der südafrikanische Zeichner, Filmemacher, Regisseur und Performancekünstler William Kentridge (dem SPEX in Ausgabe N° 368 ein Feature widmete).

the_brother_moves_on_c_tseliso_monahengFoto: The Brother Moves On /  Tseliso Monaheng

Einzige Tradition beim Festival der Vorwärtsdenkerinnen: Ein vielmehr bereicherndes als begleitendes Musikfestival, im Rahmen dessen sich in diesem Jahr fünf Künstlerinnen und Künstlerinnenkollektive an vier Tagen in und um das Haus der Berliner Festspiele positionieren.  Im übertragenen Sinne, denn Statisches ist kaum zu erwarten, Statement-Musik schon. Das südafrikanische, nach seinem Start als Kunstkollektiv bald um Musikerinnen ergänzte Performance-Ensemble The Brother Moves On setzt sich in seinen Songs beispielsweise mit dem südafrikanischen Bergarbeiterstreik von 2012 oder dem Tod von Nelson Mandela auseinander.

islam_chipsy_and_eek_c_promoFoto: The Islam Chipsy & EEK

Düster-fragile Grenzgänge zwischen Blues und Pop – Endstation: die Seelenleichen im Keller – sind von der äthiopisch-finnischen Sängerin Mirel Wagner zu erwarten. Auf ganz andere Art Erschütterndes kreiert hingegen die in Kairo geborene Kollaboration des Keyboard-Malefizkerls Islam Chipsy mit den Perkussionisten Khaled Mando und Mahmoud Refat, während die im Post-Rock wurzelnden Vessels mittlerweile Keime in Richtung Caribou oder Moderat treiben. Und noch ein Richtungswechsel: Pulp-Kopf Jarvis Cocker erzählt seine Sleepless-Nights-Geschichten erstmals mit Unterstützung des Jungen Sinfonieorchesters Berlin – ein Nachdämmerungsrausch von Nixon bis Bach, bei dem trotz aller Unvorhersehbarkeiten eines gewiss ist: Gutes steht bevor.

Foreign Affairs – Musikprogramm
09.07. Vessels – Haus der Berliner Festspiel, Seitenbühne
12.07. Jarvis Cocker / Junges Sinfonieorchester Berlin – Haus der Berliner Festspiele, Hauptsaal
15.07. Islam Chipsy & EEK – Haus der Berliner Festspiele, Seitenbühne
16.07. The Brother Moves On – Haus der Berliner Festspiele, Kassenhalle
16.07. Mirel Wagner – Haus der Berliner Festspiele, Garten
Alle weiteren Infos und Tickts gibt es hier.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.