Food For Animals

Lärm. Ohrenbetäubender Lärm. Auf »Belly« bildet er das strukturierende, das Ordnung stiftende Element. Food For Animals lieben Lärm. Doch soviel Lautstärke, Volumen und Präsenz ihre Tracks und Skits durch Noise auch gewinnen mögen, hier geht es nicht um die pure Kakophonie. Die Producer Vulture V, Ricky Rabbit und ihr MC Hy schleifen ihre Fontänen aus kaltem Sampling und schockgefrorenen Hochtonsynthesizern mit Berechnung ein. Dieser HipHop hat Groove! Doch wie schon in den Beats des Bomb Squads seziert dieser Groove dass Soziale. Einen Chuck D haben die nicht. Die Reime kreisen um ein bohemistisches, Identitäten durchspielendes Ego. Mangels Selbstinszenierung und wegen der anderen Zeiten werden Food For Animals sowieso nicht auf ein Medieninteresse stoßen, das weit über Spin hinaus geht.

    Das liegt bestimmt auch an den Gewohnheiten, die sich im lärmenden HipHop so eingeschlichen haben. EL-P etwa: Was für ein grandioser Performer und MC er doch ist. Seine Instrumentals aber schienen irgendwann in der Entwicklung stehen geblieben zu sein. Prefuse 73 hat sich seit Jahren nicht weiter bewegt. Einzig Dälek und eben Public Enemy selbst konnten ihre Form wiederfinden. Beide kamen im vergangenen Jahr mit superben Alben raus, beide aber hatten sich vom Lärm weg und hin zur Deepness bewegt.

    Der Lärm von Food For Animals, dieser geile, geile Sound, kennt neben den schon genannten noch die Grime-Youngsters aus UK mit ihren quiekenden und fiependen und Sounds, und ebenso kennen Food For Animals die alte Industrial-Schule. Fauchend und maschinell geht es im Intro los. Anschließend exerzieren sie diverse Übungen in Polyrhythmik, erweisen GoGo und Sampledelia die Ehre und spaßen mit Dada-Rhymes rum. Lustig bleibt es mit dem »Swampy Summer Jam«, das auf Bomb Mitte schon einmal als 7-Inch erschienen war: Da gehen sie so funky, wie sie´s nur irgend können, um dann hinterher in »Grapes« mit einer wahren Auftürmung von Spuren, Wörtern, Instrumenten und Samples dieses Album zu beschließen: »Every time I hear the word chaos / i need a cigarette«.

LABEL: Cock Rock Disco

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 15.02.2008

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