Flavor Flav

Der bittere Niedergang einer Hiphop-Legende, Folge #347. Der Mann mit dem charakteristischen Küchenuhrhalsschmuck ist im Winter 2006 wirklich ganz unten angekommen. Dabei war Flavor Flav schon bei Public Enemy nicht viel mehr als eine durchgeknallte Antithese zum intellektuellen Gestus Chuck Ds, auch wenn seine überbordende Persönlichkeit durchaus zur Faszination der Gruppe gehörte. Seine Comic-Bühnenpersona bot nicht nur eine Blaupause für nachfolgende Charaktere wie ODB und den frühen Busta Rhymes, sondern folgte auch einer afroamerikanischen Kulturtradition, die zwar durchaus zweifelhafte Ähnlichkeiten zur Minstrel-Show-Ästhetik aufwies, jedoch im Zuge der Verwendung durch Gruppen wie Public Enemy eine deutliche Umwertung erfuhr. Nachdem die große Ära der Gruppe zu Ende gegangen war, machten allerdings schnell Gerüchte um die Cracksucht des Rappers die Runde, vor einigen Jahren ging dann eine bizarre TV-Realitysoap namens »Strange Love« auf Sendung, die ihm unter anderem von Chuck D die Kritik einbrachte, stereotyp-rassistische Klischees zu bedienen und seine Brüder und Schwestern damit zu beschämen. Flav antwortete darauf mit einer weiteren, mindestens ebenso peinlichen TV-Sendung namens »Flavor Of Love«, die im Prinzip einen Abklatsch des bekannten »Bachelor«-Konzepts darstellt. Warum diese Rezension zur Hälfte von den außermusikalischen Verfehlungen des William Drayton Jr. handelt? Vielleicht, um von seinen noch schlimmeren musikalischen Verfehlungen abzulenken. Denn sein Soloalbum »Hollywood« ist ein sicherer Kandidat für das furchtbarste Hiphop-Album des Jahres. Unzeitgemäße Instrumentalgerüste mit schwachbrüstigen Drums und Basslines treffen auf sinnfreies Alkoholikergecroone, alberne Hooks und unmotivierte Off-Beat-Raps des 47-Jährigen. Songtitel wie »Unga Bunga Bunga« und »Baby Baby Baby« sprechen eine deutliche Sprache, und auch die Tatsache, dass auf dem Cover direkt mehrere Rechtschreibfehler zu finden sind, trägt nicht unbedingt zur Aufwertung des Gesamtprodukts bei. Das Album erscheint über Flavors eigenes Imprint Draytown Records, da sein ehemaliges Label Def Jam drei seiner Soloalben nicht zur Veröffentlichung angenommen hatte. Besser wäre es dabei geblieben: »Hollywood« definiert einmal mehr das Gefühl des »Fremdschämens« – oder wie soll man bitte den Kindern erklären, dass dieser Mann einmal zur größten Gruppe der Hiphop-Geschichte gehörte? Traurige Angelegenheit, über die eigentlich der Mantel des Schweigens gehüllt gehört.

LABEL: Draytown

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 03.11.2006

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