Filme von morgen – Filmtipps aus der SPEX-Redaktion

Bild: Still aus dem Trailer zu Transit (2018)

Donnerstag ist super: kleiner Freitag, fast schon Wochenende und der Tag, an dem neue Filme die deutschen Kinos fluten. Damit Sie dabei nicht den Überblick verlieren, empfehlen wir Ihnen in dieser Rubrik donnerstags stilsicher neue Filme, die sie nicht verpassen dürfen.

Transit (Deutschland, Frankreich 2018)

Wenn der Faschismus zurückkommt, wird er nicht sagen „Hallo, ich bin der Faschismus“, sondern „Herzlich willkommen im Jahr 2018, die Dinge brettern gerade rapide den Bach hinunter.“ Transit, der neue Film von Christian Petzold mit SPEX-Liebling Franz Rogowski in der Hauptrolle, führt die dystopische Schwarzmalerei der letzten Monate und Jahre zu ihrer logischen Konsequenz, indem Anna Seghers 1947 erschienene, autobiografische Romanvorlage aus dem weltkriegszerrütteten Europa in die Gegenwart umgeschrieben wird – so weit, so unsubtiles Politdrama.

Rogowskis Georg befindet sich auf der Flucht vor der Regierung, schlägt sich in Frankreich mit den gefundenen Papieren eines toten Schriftstellers herum und trifft dann auch noch zufällig dessen Witwe Marie Weidel, die vom Schicksal ihres Mannes nichts ahnt. Was dann kommt, ist klar: Die beiden beginnen eine Affäre, in dessen Verlauf Georg vor der Wahl steht, Marie die Wahrheit zu sagen und ihr damit das Herz zu brechen, oder sie zu belügen.

Transit ist ein Lieblingsroman Petzolds, er und sein 2014 verstorbener Filmemacherkollege Harun Farocki lasen ihn gemeinsam jedes Jahr. Deshalb ist der Film Transit Farocki gewidmet. Man kann Transit als Grabstein lesen – für Farocki oder für die Demokratie oder so – aber man kann sich auch über einen funktionstüchtigen Thriller freuen, bei dem das Politische und das Private kaum näher beieinander liegen könnten.

 

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Ready Player One (USA 2018)

Transit verlegt die Dystopien der Vergangenheit in die Gegenwart, Ready Player One transportiert die letzten utopischen Zufluchtsräume der Gegenwart in eine dystopische Zukunft. Computerspiele sind schon heute kein Kindrkram mehr, doch in Steven Spielbergs teuerstem Film seit seinem geschassten Indiana-Jones-Sequel vor zehn Jahren liefert die virtuelle Realität die Schlachtfelder der Zukunft: 2045 lebt die Menschheit zu großen Teilen in verarmten Trailerparkhochhaussiedlungen. Möchte man denen entfliehen, geht es mit der VR-Brille in die virtuelle Aldous-Huxley-Gedächtnis-Oasis.

Für den Blockbuster-everyman Wade Watts ist diese alternative Realität erst Zuflucht, dann Chance: Der Erfinder des Netzwerks habe irgendwo ein verstecktes easter egg eingebaut und wer dieses findet, soll die Kontrolle über die Oase erlangen. Das möchten die Außenseiter, die sich wie Wade tief in das Spiel zurückgezogen haben, genauso wie die Regierung oder irgendwelche Geheimorganisationen. Junge Menschen kämpfen also auf digitalen Plattformen gegen einen überwältigend mächtigen Feind mit Ressourcen, Kraft und Boshaftigkeit en masse an. Ihr einziger Vorteil: Es ist ihr Heimspiel, sie kennen das Terrain. Man muss sich kaum anstrengen, um reale Parallelen zu finden. Die Überlebenden des Parkland-Amoklaufs können ein Lied davon singen.

 

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Reseba – The Dark Wind (Irak, Deutschland, Syrien, Katar 2016)

Die Jesiden sind eine religiöse Minderheit, die in kurdischen Gebieten in der Türkei, im Irak und in Nordsyrien ansässig ist. Im Kampf gegen den IS erreichte die Jahrtausende alte Kultur 2015 eine traurige Prominenz, vor allem, weil zwischen zwei- und dreitausend jesidische Männer massakriert wurden, während über fünftausend Frauen nach Mossul verschleppt wurden, wo ihnen als Sklaven ohne Rechte Schreckliches widerfuhr. Der Film Reseba – The Dark Wind vom kurdischen Regisseur Hussein Hassan ist der Terrorherrschaft des IS gewidmet. Reseba begleitet ein junges, jesidisches Paar durch die Eroberung der Stadt Sinjar im Nordirak durch den IS und das darauf folgende Massaker.

Der Film feierte schon 2016 Premiere, kommt aber erst jetzt in die deutschen Kinos. Das mag daran liegen, dass schwere Filme über schwere Themen aus schwer auf Landkarten zu findenden Ländern selten Kassenschlager sind. Das mag auch daran liegen, dass der Film schon bei der Veröffentlichung kontrovers diskutiert wurde, auch unter jesidischen Besuchern, von denen sich manche vor den Kopf gestoßen fühlten. Daran, dass der Film einen kalt lässt, nicht mitreisst oder einen eindimensionalen Einblick in eine andere Welt gibt, liegt es sicherlich nicht.

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