Filme von morgen – Filmtipps aus der Spex Redaktion

Bild: Still aus Lady Bird (2017)

Friday on my mind, aber erstmal: kleiner Freitag und der Tag, an dem neue Filme die deutschen Kinos fluten. Damit Sie dabei nicht den Überblick verlieren, empfehlen wir Ihnen donnerstags stilsicher neue Streifen, die es wert sind – aus guten und anderen Gründen.

Lady Bird (2017)

„Ich wünsche mir für dich, dass du die allerbeste Version von dir selbst werden kannst.“ „Und was, wenn das die beste Version ist?“ Das fragt sich Lady Bird, Hauptfigur im gleichnamigen Film von Greta Gerwig und eigentlich ein ganz gewöhnliches Mädchen. Irgendwo zwischen Nihilismus und fantastischer Selbstüberschätzung findet ihre Realität einen Platz im von Stereotypen übersättigten Schulalltag der USA. Mit filigraner Hand bedient sich Greta Gerwig vorbelasteter Rollen des Coming-of-Age-Genres und macht sie zu realen Menschen.

Christine „Lady Bird“ McPherson (Saoirse Ronan) lernt diese auf ihrem Weg der Rebellion gegen Mutter (Laurie Metcalf) und Lehrer kennen. Vom blasierten Schönling Kyle Scheibler (Timothée Chalamet) bis zur strebsamen besten Freundin (Beanie Feldstein) sind alle dabei und stellen sich in Reih und Glied auf, um von Gerwigs Handschrift aus ihrer Eindimensionalität befreit zu werden.

Ob Lady Birds zugleich leid- und freudvolle Reise durch die Jugend Gerwigs eigener nachempfunden ist, oder jedenfalls in Etappen die Leiden eines jungen Freigeistes autobiographisch nachempfindet, möchte die Regisseurin selbst nicht genau beantworten. Braucht sie auch nicht, denn Lady Birds Geschichte wirkt echt. Und das ist bei der Story eines rothaarigen Mädchens, das sich selbst einen neuen Namen gibt, schon bemerkenswert genug.

 

_________

Ghost Stories (2017)

Geister sehen war mal richtig cool. Als Harry zum ersten mal verdutzt einen fast Kopflosen aus seinen Chicken Wings emporsteigen sah zum Beispiel, oder als die zutiefst unverstandenen Geschöpfe in Ghostbusters zum Opfer arbeitsloser Mittdreißiger wurden. Selbst, wer den okkulten substanzlosen Wesen jahrelang nicht zutraute, Substanz in das Medium Film zu bringen, wurde in den letzten Jahren durch Serien wie Stranger Things und American Horror Story zum Fan, geriet jedenfalls mit den unberührbaren Entitäten in Berührung. Jetzt bringen Andy Nyman und Jeremy Dyson mit Ghost Stories wieder Grusel in die Kinos. Witzig: Ein Dyson sieht einem Protonenpack gar nicht so unähnlich. Schade: Es geht dieses Mal nicht um Geisterjäger, die riesige Marshmallows grillen.

Stattdessen geht es um die Leute, die Venkman und Co. die Arbeit erheblich erschwert hätten. Philipp Goodman (Andy Nyman), professioneller Entlarver übernatürlicher Vorkommnisse, stößt beim Ausüben seiner Profession auf drei besonders zermürbende Fälle, die ihm Glaube und Verstand rauben. Was sind Geister? Bloß ein Produkt naiver Einbildung, entstanden aus Angst vor den eigenen Fehlern, oder doch reale Gefahr? Relevante Fragen und eine Metapher für sehr viel mehr in einem spannenden Film.

 

_________

The 15:17 To Paris (2018)

Clint Eastwood ist ein ganz Großer! 1,93 Meter misst der ehemalige Schauspieler und erfolgreiche Produzent, der in den letzten Jahren eher mit fragwürdigen politischen Positionen als mit bemerkenswerten cineastischen Leistungen die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zog. Jetzt wagt er sich an das nächste Pulverfass heran und inszeniert mit The 15:17 To Paris den Anschlag auf einen Zug von Amsterdam nach Paris, der vor drei Jahren besonders wegen des heroischen Akts dreier junger US-Amerikaner in das Auge der Öffentlichkeit geriet.

Alek Skarlatos (Alek Skarlatos), Anthony Sadler (Anthony Sadler) und Spencer Stone (Spencer Stone) spielen sich allesamt selbst. Manche würden das als mutig, manche als faul bezeichnen. Dass sich beides nicht unbedingt ausschließt, und, dass amateurhafte Schauspieler eine Szene nicht direkt authentisch spielen können, nur weil sie sie erlebt haben, beweist The 15:17 To Paris eindrucksvoll. Zwischen Erzählungen aus der Jugend der drei US-Amerikaner und der Geschichte um ihre Reise durch Europa gestaltet sich nur eine Suche wirklich als spannend. Die Suche nach dem Plot. Und die unterhält, trotz ihrer Aussichtslosigkeit, wenigstens kurzweilig.

Ausführliche Rezensionen zu Lady Bird und weiteren Filmen sind in unserer Printausgabe Spex No. 380 zu finden, die versandkostenfrei im Shop und im Handel erhältlich ist.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here