Filme von morgen – Filmtipps aus der SPEX-Redaktion

Bild: Still aus Der Himmel Über Berlin (1987)

Donnerstag ist super: kleiner Freitag, fast schon Wochenende und der Tag, an dem neue Filme die deutschen Kinos fluten. Damit Sie dabei nicht den Überblick verlieren, empfehlen wir Ihnen in dieser Rubrik donnerstags stilsicher neue Filme, die sie nicht verpassen dürfen.

3 Tage in Quiberon (Deutschland, Österreich, Frankreich 2018)

„Romy war absolut,“ sagte der Fotograf Robert Lebeck einmal über Romy Schneider. 1976 hatte er Schneider auf einem Filmset kennengelernt, 1981 fotografierte er sie für ein Interview im beschaulichen Quiberon, das ihr letztes werden sollte (ausgerechnet im Stern). Mit diesem Interview, das der Journalist Michael Jürgs mit der notorisch pressescheuen Romy Schneider führte, beschäftigt sich der Film 3 Tage in Quiberon der Regisseurin Emily Atef mit Marie Bäumer in der Hauptrolle. Das in Schwarz-Weiß gedrehte Drama zeigt eine Romy Schneider, die mit Tabletten, Alkohol und ihrem Ruhm zu kämpfen hat, sich aber immer wieder entscheidet, den Karren herumzureißen. Das traurige Wissen darum, dass die legendäre Schauspielerin ein Jahr später sterben sollte – wohl an ihrem Tablettenkonsum –, macht den Film nur noch bedrückender.

Doch auch ohne das von Bäumer unter Lobgesängen der Kritik eingefangene Charisma Schneiders entspinnt sich im Film zwischen Schneider, ihrer Jugendfreundin Hilde (Birgit Minichmayr), dem Journalisten Jürgs (Robert Gwisdeck) und dem Fotografen Lebeck (Charly Hübner) eine spannende Dynamik im französischen Kurort. Denn Schneider war eben auch, wie sie selbst sagt, „eine unglückliche Frau von 42 Jahren.“ Und genau das – und nicht Ruhm, Geld und Sissi – macht ihre Geschichte so spannend.

 

_________

Layla M. (Belgien, Niederlande, Deutschland, Jordanien 2016)

Vor wenigen Tagen fuhr in Münster ein LKW in eine Personengruppe. Der Täter stellte sich als Deutscher mit psychischen Problemen (als müsste man das bei Selbstmordattentätern erwähnen) heraus. Doch bevor diese Information an die Öffentlichkeit gelang, schürten in den sozialen Medien rechte Kräfte stundenlang Hass und Generalverdacht gegen Muslime – denn LKW fahren lernt man bekanntlich nur im jemenitischen Terrorcamp. Das zeigt: Die Panik vor sogenannten „islamistischen“ Anschlägen existiert immer noch und befeuert die Angst vor dem Islam und die Diskriminierung von dessen Anhängern.

Diese Diskriminierung steht auch am Anfang des niederländischen Films Layla M., der 2016 veröffentlicht wurde und jetzt in die deutschen Kinos startet. Die Regisseurin Mijke de Jong zeichnet darin ein berührendes Porträt der jungen Layla (Nora El Koussour), die in Amsterdam als Tochter säkularer marokkanischer Eltern aufwächst. Die 18-jährige leidet stark unter den Bemerkungen und Beleidigungen, die ihr wegen ihres Kopftuchs und ihrer Religion nachgeworfen werden. So isoliert sie sich immer mehr von ihrer Familie, solidarisiert sich als Reaktion auf ihre eigene Diskriminierungserfahrung stattdessen mit fundamentalistischen Gruppen, engagiert sich für Syrien und Palästina. Ihre Umwelt begegnet dieser Entwicklung mit immer mehr Unverständnis und Misstrauen, bis sich die Prophezeiung des Verdachts irgendwann selbst erfüllt: Layla heiratet einen Fundamentalisten und will in den heiligen Krieg ziehen.

Warum ist diese Geschichte, die die Angstklischees rechter Populisten eins zu eins bedient, trotzdem wichtig? Weil Layla eine Person ist, die sich entwickelt, die Entscheidungen trifft und nicht simpel als stumpfe Projektionsfläche für Panikmache und Hass dient. Vor allem aber ist die Schlüsselerfahrung von Layla für ihre Radikalisierung weder das Erwachen eines gottgegebenen Kulturstolzes, noch ist es eine traditionelle Familie, die sie in regressive Rollenbilder drängt. „Warum bist du so wütend?,“ fragt Laylas Mutter im Film. Es sind Rassismus, Islamophobie und Repression in der niederländischen Gesellschaft, die Laylas Leben so unerträglich macen, dass sie es lieber in Terrorcamps verbringen möchte als in ihrer Heimat.

 

_________

Der Himmel über Berlin (Deutschland, Frankreich 1987)

Moment mal, dieser alte Wim-Wenders-Schinken ist doch nicht neu! Ist er nicht, Der Himmel über Berlin erschien 1987 und war schon damals die wohl schönste filmische Berlin-Hommage seit M oder vielleicht Eins, Zwei, Drei. Nun, knapp 30 Jahre später, erscheint der Film in einer restaurierten Version erneut in deutschen Kinos, ist nun utrahochauflösend, der Sound Surround, die gerührten Tränchen müssen aber immer noch mit der Hand weggewischt werden.

Wenders begleitet die beiden Engel Damiel (Bruno Ganz) und Cassiel (Otto Sander) bei ihren Beobachtungen um den Globus, aber insbesondere im wunderschön grauen Berlin, für das die schwarz-weiße Tönung des Films überhaupt keinen Unterschied zu machen scheint. Die Handlung dieses Klassikers können Sie überall im Internet nachlesen, wir empfehlen Ihnen jedoch unabhängig von dieser, die aktuell überarbeitete Version im Kino zu sehen. Denn so dreckig, traurig und wunderschön hässlich sehen Sie die Stadt mit den weltweit am schnellsten steigenden Mieten nie wieder.

1 KOMMENTAR

  1. W. Wenders hatte schon immer die Tiefe………….man muss und sollte nicht immer alles durch di Filter jagen. Sind schon genug Lemminge und Beeinflusser da draußen

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.