Filme von morgen – Filmtipps aus der SPEX-Redaktion

Still aus The Rider

Man muss kein WM-Hasser sein, um jetzt ins Kino zu gehen. Welche neuen Filme sich in dieser Woche lohnen, weiß wie immer die SPEX-Redaktion.

The Rider (USA 2017)

Das Vorschaubild des Trailers zeigt einen Cowboy auf einem Pferd. Was das bedeutet? The Rider hat mit Kategorisierungen zu kämpfen, Marke: Pferdeflüsterer. (Deutsche) Millennials sind aufgewachsen mit Bibi, Tina und Nicholas Sparks-Romanen, von denen gefühlt jedes zweite ein Pferd auf dem Cover hat. Gut, Bojack Horseman gibt es auch, aber wer mit einer Realverfilmung des unpaarhufigen Lebemannes rechnet, sollte sich dringend mal wieder den Pony schneiden… Fangen wir lieber mit dem Film an!

The Rider erzählt die (wahre) Geschichte eines gestürzten Cowboys, der seiner Leidenschaft nicht mehr nachgehen kann, ohne sein Leben dabei in Gefahr zu bringen. Das reale Vorbild für Brady Blackburn heißt Brady Jandreau, der Schauspieler spielt sich also selbst. Was bei The 15:17 To Paris noch als verzweifelter Versuch Eastwoods rüberkam, einen mittelmäßigen Film in die Schlagzeilen zu katapultieren, sorgt bei The Rider eben dafür, dass der Kitsch nicht Überhand gewinnt und die tragische Geschichte von Jandreau, seiner Familie und seinem Leben, von keiner schauspielerischen Überdramatisierung überschattet wird.

 

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Am Strand (USA 2017)

Am Strand von Ian McEwan ist ein Buch, dem man sein junges Alter nicht anmerkt. 2007 veröffentlicht, hätte es schnell in den übersättigten Markt moderner Coming-of-Age Geschichten drängen können, die zwar in ihrer Emotionalität überzeugen, im Tiefgang aber Mängel aufweisen, die sie zu vorhersehbaren Geschichten ohne viel Nuance verkommen lassen.

Am Strand ist, in Buch- und Filmform, anders. Die Liebesgeschichte von Florence Ponting (Saoirse Ronan) und Edward Mayhew (Billy Howle) spielt in den Sechzigern und somit nur bedingt mit aktuellen Stereotypen. Stattdessen entsteht aus einer Hochzeitsnacht eine Persönlichkeitsstudie, die psychologisch und philosophisch zu erklären versucht, was selbst die Charaktere nicht wissen. Wenn Ehrlichkeit nicht der Schlüssel ist, sondern unmöglich wird, die Wahrheit unbekannt ist, gerät selbst ein Paar, das unsterblich ineinander verliebt ist, in ein Dilemma.

 

 

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Kolyma – Straße der Knochen (Deutschland 2017)

Die Kolyma-Straße führt über 2000 Kilometer vom ochotskischen Meer bis nach Jakutsk, durch die russische Ödnis und wieder hinaus. Ihren Spitznamen Straße der Knochen erhielt die Straße während des kalten Krieges, als Arbeitslager am gesamten Flusslauf des Kolyma errichtet wurden und Gefangene dort bis zum Tode schuften mussten. Größtenteils war es Gold, das die Sowjetunion in diesen Gebieten abbauen ließ. Die Arbeitslager, auch Gulags genannt, wurden so gut es ging geheim gehalten, um den Abnehmer der Bodenschätze, das Ausland, nicht zu vergraulen. Der Regisseur Stanislaw Mucha geht dieser Straße und ihrer Geschichte nach und dokumentiert, was noch übrig geblieben ist von einem System, das bis zum Ende des kalten Krieges den Menschen ihre Menschlichkeit absprach.

Der Film zeigt auf erschreckende Art, wie wenig noch zu spüren ist von jahrzehntelanger Zwangsarbeit. Zwischen ehemaligen Arbeitslagern sind Städte entstanden und Generationen aufgewachsen, denen der Begriff Gulag fremd und die eigene Geschichte schleierhaft ist. Auf den Knochen Tausender sind Leben entstanden, die durch die Linse Muchas Fragen aufwerfen. Woher kommt das Unwissen? Ist Aufklärung nötig? Wohin führt die Verdrängung?

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