Filme von morgen – Filmtipps aus der SPEX-Redaktion

Bild: Still aus Solo: A Star Wars Story (2018)

In wenigen Wochen wird das Kino zu einem der wenigen Orte mutieren, an dem man der Euphorie feierwütiger Fußballfans entkommen kann. Bereiten Sie sich jetzt schon darauf vor und studieren Sie die Filmempfehlungen der SPEX-Redaktion.

Solo: A Star Wars Story (USA 2018)

Star Wars, unendliche Weiten, epische Lichtschwertkämpfe und der Anspruch, den Blockbuster in neue Dimensionen zu heben. Was in den Siebzigern als Geschichte zweier Freunde begann, die zwischen Macht und Macho alles vereinten, was ein gutes Weltraumdrama brauchte, entwickelte sich mit den Jahren zu einem Abklatsch seiner selbst. Unzählige Änderungen des Pacings, des allgemeinen Tons und des wissenschaftlichen Hintergrunds der Macht hinterließen den ernüchternden Eindruck einer entzauberten Fiktion.

Nach zwei umstrittenen Fortsetzungen und einem ersten Spin-Off schafft es im Jahr 2018, 41 Jahre nach Krieg der Sterne (1971) der Schwager Luke Skywalkers mit seiner eigenen Geschichte ins Kino. Statt allerdings in die tiefen Fußspuren der neuen Trilogie zu treten, soll Han Solo (Alden Ehrenreich) in einem Heist-Movie an der Seite seines neuen Freundes Chewbacca (Joonas Suotamo) die Geschichten erzählen, die Han Solo (Harrison Ford) vor Jahrzehnten in Nebensätzen andeutete. Das größte Problem, das Solo: A Star Wars Story verfolgt und den Film als Vorwurf nicht mehr loslassen wird, ist nicht Alden Ehrenreich als Han Solo, der trotz anderem Gesicht nach kurzer Gewöhnungsphase mehr als tolerabel ist; schon gar nicht Donald Glover, der als Besetzung für Lando Calrissian mehr als überzeugt. Das Problem ist die erzwungene Entzauberung der Geschichten, die in der ersten Trilogie noch die Vorstellungskraft der Zuschauer anregten. Die gewaltsame Erdung der Erwartungen, die man nie erfüllt sehen wollte.

 

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In den Gängen (Deutschland 2018)

Er ist jemand, den man im Alltag eher ignoriert, meist als Hindernis wahrnimmt und auf gar keinen Fall anspricht. In einem Großmarkt fängt Christian (Franz Rogowski) an, Waren zu stapeln und einzuordnen. Schüchterne Blicke durch das halbleere Regal bringen ihn der Kollegin Marion (Sandra Hüller) näher, die zum Dreh- und Angelpunkt seines Lebens wird. Von Besessenheit bis zu unschuldiger und fast jugendlicher Anziehung führt In den Gängen den Betrachter durch die Gedankenwelt eines Menschen, der als Opfer mangelnden Selbstbewusstseins und gedankenbestimmender Empathie seinen einzigen Wunsch nach Glück wieder und wieder in weiter Ferne verschwinden sieht und sich an Relikten zukünftiger Erinnerungen festklammert.

Dramatik, Melancholie, Düsternis und Licht erwachen in einen Großmarkt zu viel mehr Leben, als man je hinter den Kulissen eines Schauplatzes menschlicher Nahrungsbeschaffung erwartet hätte. Ein Film, der, ganz im Gegensatz zu Solo: A Star Wars Story, eine Geschichte erzählt, von denen sonst keine Faszination ausgegangen wäre, nach der niemand gefragt hat, die jeder verstehen kann. Für das Drehbuch hat Clemens Mayer seine Kurzgeschichte gemeinsam mit Regisseur Thomas Stuber umgeschrieben.

 

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Der letzte Dalai Lama? (USA 2016)

Der Politik fällt es meistens schwer, die Meinungen eines ganzen Volkes zu vertreten. Hinter Parteisymbolen und -programmen versteckt scheint es einfacher, seine individuelle Verantwortung aufzugeben. Religiösen Führungspersonen fällt es hingegen schwer, die konservative Last ihres Amtes abzuwerfen und ohne Spaltung einen Wandel zu vollziehen. Tenzin Gyatso aus Tibet hat als religiöse Führungsperson nie seine individuelle Verantwortung für das Wohl der ganzen Weltgemeinschaft aufgegeben, nie eine Linie gezogen zwischen unterschiedlichen politischen Ausrichtungen und Lebewesen. Er hat sich mit George W. Bush getroffen und mochte ihn sehr, er hat sich mit Barack Obama getroffen und mochte ihn sehr, er hat sich mit Nelson Mandela getroffen und mochte ihn sehr, er hat sich mit Russell Brand getroffen und mochte ihn sehr. Der Dalai Lama kennt keine Vorurteile und hat in seinem Leben mehr erreicht, als die Loslösung vom Weltlichen – ohne dabei weltfremd zu werden.

Mickey Lemle darf den Dalai Lama schon seit vielen jahren begleiten und die Entstehungsgeschichte eines lebenden Mythos miterleben. Das Fragezeichen im Titel des Films artikuliert, was viele Tibeter und Philosophen befürchten: das Ende der jahrhundertelangen Tradition. Im Streit mit China entstehen Mitbestimmungsansprüche politischer Bewegungen und religiöse Abspaltungen. Um zu verstehen, was es bedeutet, als Dalai Lama losgelöst von politischer Agenda mit Prominenz und Volk auf der ganzen Welt zu kommunizieren, kann man dank Der letzte Dalai Lama? jedenfalls teilweise erleben – beeindruckte Demut stellt sich ein.

 

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