Filme von morgen – Filmtipps aus der SPEX-Redaktion

Still aus Deadpool 2 Trailer

Wer hat sich eigentlich ausgedacht, dass Kino was für den Winter ist? Bei dem unsteten Wetter momentan wird man dort wenigstens nicht nass. Glauben Sie uns, wir haben es für Sie ausprobiert.

Deadpool 2 (USA 2018)

Im Trailer wurde schon Kultkünstler Bob Ross aufs Korn genommen, als Deadpool (Ryan Reynolds) seinen Pinsel, begleitet von vulgärem Gestöhne, gegen die Staffelei schlug und glückliche Bäume malte. Im Film selbst nimmt es der eng bekleidete Antiheld dann auch mit dem Genrerivalen DC auf. „Du bist so düster. Sicher, dass du nicht aus dem DC-Universum kommst?“ Das ist der Satz, der jedem aufzeigen sollte, wie weit Marvel in der Gunst der Zuschauer mittlerweile vor DC liegt. Während das Studio um Batman und Superman immer noch zu verstehen versucht, warum sie Superman ausgerechnet im zweiten Film töteten, gelingt dem Studio, das mit X-Men und The Avengers jetzt schon zwei erfolgreiche Universen kreiert hat, nun der zweite erfolgreiche Seitenhieb auf die gedämpfte Stimmung in den DC-Filmen.

Im Kampf gegen Cable (Josh Brolin) braucht Deadpool dieses Mal Unterstützung und stellt schnurstracks eine Gruppe mehr oder weniger begabter Superhelden zusammen. Die X-Force lebt von Deadpools Humor und seiner entwaffnenden Ignroranz konventioneller Kampf- und Konversationsmethoden. Während Deadpool also wenig selektiv sogar absolut Unbegabte in sein Team aufnimmt, mit ihnen Bösewichte verprügelt und genügend Stoff für die nächste Marvel-Filmreihe liefert, sollten bei DC langsam die Alarmglocken läuten. Sonst steht mit X-Force bald der dritte Goliath vor einem kleinen, schleuderlosen David.

 

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The Cleaners (Deutschland 2018)

In Zeiten, in denen Facebooks Position als allwissende Singularität immer eindeutiger und kontroverser wird, stellt man sich oft die Frage, wie ein so riesiger Apparat eigentlich funktioniert. Wer kümmert sich um verstörendes Videomaterial, das ein Nutzer hochlädt oder die Hassrede, die jemand veröffentlicht? Und warum funktioniert das so schleppend und untransparent?

The Cleaners von Hans Block und Moritz Riesewieck zeigt die Menschen, von denen wir genau so wenig hören wie sehen, die aber einen immensen Einfluss auf unsere Wahrnehmung von Facebook und anderen sozialen Medien haben. Viele dieser Cleaner sitzen in Manila und werden schlecht bezahlt, müssen sich Tag um Tag perverses, brutales und illegales Bild- und Videomaterial anschauen und darüber bestimmen, ob es auf unseren Timelines etwas zu suchen hat. Darüber reden dürfen sie nicht. „Ignore“ oder „Delete“ lauten die Auswahlmöglichkeiten für die sklavisch arbeitenden Frauen und Männer, die ohne Wissen über westliche Politik entscheiden müssen, ob ein Witz über Erdoğan oder eine Karikatur von Trump verstören oder nur die Obrigkeit stören würde, unangebracht wäre oder Schwung in politische Diskussionen bringen könnte.

„I’ve seen hundreds of beheadings.“ Allein dieses Zitat aus dem aufwühlenden Film, der sich irgendwo zwischen Dokumentation und Thriller zu einer realen Dystopie entwickelt, sollte jeden darüber nachdenken lassen, welche Folgen eine digitale Welt hat. Nicht nur für die, die sie Tag für Tag beleben, sondern auch für diejenigen, die sie kontrollieren.

 

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Die Tochter (Deutschland 2017)

Jede dritte Ehe in Deutschland wird geschieden. Zum Glück hat nicht jedes dieser Paare ein Ferienhaus auf einer griechischen Insel und vor der endgültigen Trennung den Plan, dieses zu renovieren. Wie Die Tochter von Mascha Schilinski beweist, kann die Trennungsplanung dann nämlich unter der Sonne und bei gemeinsamer Zeit am Strand schnell von wiederaufkommender Liebe zunichte gemacht werden. Wenn dann noch eine Tochter dabei ist, die sich mit der Trennung schon abgefunden hat und mittlerweile die alleinige Verfügung über den Vater beansprucht, würde sich selbst in der idyllischsten Familie ein Drama entwickeln, das genug Material für einen ganzen Film liefert.

Zwischen voyeuristischer Paranoia, Verlustängsten und Panikattacken zeichnet das komplizierte Dreieck zwischen Tochter Luca (Helena Zengel), Jimmy (Karsten Antonio Mielke) und Hannah (Artemis Chalkidou) ein zum Teil sehr düsteres Familienbild, in dem Abhängigkeit und Liebe im Mittelpunkt stehen. Wer also Lust darauf hat, ein Drama zu sehen, das in pittoresker Szenerie das Bild einer harmonischen Beziehungsheilung  zerstört, könnte sich in dem Unwohlsein, das der Film auslöst, sehr wohl fühlen.

 

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