Filme von morgen – Filmtipps aus der SPEX-Redaktion

Bild: Still aus Isle of Dogs - Ataris Reise (2018)

Sie schwanken zwischen Sonnencreme und Kinotickets? Zwischen sommerlicher Saalblässe und verbrannter Haut? Die SPEX-Redaktion empfiehlt Neuerscheinungen für jeden Film- und Hauttyp. Sonnencreme hält eh nur bis zum nächsten Gewitter.

Isle of Dogs – Ataris Reise (USA, Deutschland 2018)

Symmetrisch und grellbunt gefärbt. Kantig, und doch irgendwie sympathisch. Manchmal zu perfekt, aber doch bereit, jede Geschichte zu erzählen. LEGO-Bausteine faszinieren seit … was? – das ist kein Beitrag über die gelben Steckfiguren und ihre farbigen Bausteine?

Naja, egal. Symmetrie, grelle Farben, ein kauziger Humor und Geschichten, die trotz ihrer Hyperinszenierung berühren und das Kino des 21. Jahrhunderts prägen – das passt auch alles zu Wes Anderson. Dieses Mal erzählt er die Geschichte einer nahen Zukunft, in der sämtliche Hunde wegen drohender Überpopulation und Kontamination in Quarantäne und auf eine Müllinsel geschickt werden. Was nicht unbedingt ein Beweis menschlicher Wärme und Fürsorglichkeit für seinen vierbeinigen Freund ist, entwickelt sich zur Heldenreise eines Jungen namens Atari. Die Helden sind in Isle Of Dogs aber eigentlich nicht die Menschen, die sich im Film durch ihre Unmenschlichkeit auszeichnen, sondern die Hunde. Rex (gesprochen von Edward Norton), Boss (Bill Murray), Chief (Bryan Cranston), King (Bob Balaban) und Duke (Jeff Goldblum), um genau zu sein, die Atari allesamt bei der Suche nach seinem felligen Freund Spots (Liev Schreiber) unterstützen, und besonders in der Originalfassung mit überzeugender Synchronisation aufwarten.

 

_________

I Feel Pretty (USA 2018)

Wenn die Definition, die eine Gesellschaft zu einem Thema formuliert hat, dazu führt, dass Millionen von Menschen sich die Hornfäden, die jedem auf dem Kopf wachsen, an den Seiten kürzen lassen und mit Haargel in eine bestimmte Richtung drängen; dass Millionen von Menschen versuchen, eine natürliche Veränderung des Fettgewebes am Oberschenkel zu kaschieren, dann ist wahrscheinlich die Rede vom Schönheitsideal. Schlank, sportlich, jung lautet der ungerechte Imperativ, der nicht nur zu Selbstwertproblemen, sondern auch zu Benachteiligungen im Alltag führen kann.

Renee Bennett (Amy Schumer) begegnet in I Feel Pretty all diesen Ungerechtigkeiten. Sei es die ernüchternde Ignoranz des Barkeepers, der nur Junge, Dünne und Große bedient, oder die subtile Vertreibung aus Läden, in denen XL bei einem Chihuahua schon skinny fitten würde. Renee muss erst auf den Kopf fallen, um wie von Zauberhand mehr als eine handvoll Selbstbewusstsein zu bekommen. Renee steigert mit ihrem Selbstwertgefühl auch ihre Lebensqualität und möchte mit Bikini-Challenges und direkten Flirts eigentlich nur eins loswerden – fühlt euch schön!

 

_________

Der Buchladen der Florence Green (Spanien, Großbritannien, Deutschland 2017)

Lesen bildet, lesen emanzipiert. Ob es also notwendig war, den Roman Die Buchhandlung von Penelope Fitzgerald zu verfilmen, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Isabel Coixet hat es trotzdem gewagt und die Figur Florence Green (Emily Mortimer) von schwarzen Lettern in bewegte Bilder transportiert. Dass der Film im Deutschen nicht den Titel der deutschen Version des Buches trägt, kann Coixet nicht als Vorwurf gemacht werden, ist aber etwas schade. Der Ring von Frodo Beutlin hätte als Titel auch keinem gefallen.

Florence Green bezieht ein altes Haus im englischen Hardborough, um ihren lang gehegten Traum von der eigenen Buchhandlung zu verwirklichen. Wer jetzt denkt, die Dame hätte doch schon beim Umzug in einen Ort, der sich selbst buchstäblich als harte Gemeinde bezeichnet, skeptisch sein müssen, behält Recht. Green schließt das kleine Dorf schnell ins Herz, auch wenn grauer Konsens das beschauliche Zusammenleben beherrscht und zunächst wenig Platz für die Geschichten in ihren Büchern schafft. Mit der Zeit entwickelt sich der kleine Buchladen aber zum progressiven Fixpunkt des Dorfes, und nebenbei zum Dorn im Auge der Dorfältesten Violet Gamart (Patricia Clarkson), die aufwendig versucht, die Verkaufszahlen zu senken und Florence zu vertreiben.

Jeden, der das Buch gelesen hat, wird der Film wegen mangelnder Authentizität und Intensität enttäuschen. Die, die ihn noch nicht gesehen haben, sollten darüber nachdenken, das Geld zu sparen und lieber das Buch zu lesen. Für so einen Film ist das Wetter dann doch zu schön.

Neben ausführlichen Filmkritiken ist ein kurzer Bericht über die Optik der Filme Wes Andersons in unserer Printausgabe No. 380 zu finden, die versandkostenfrei im Shop und im Handel erhältlich ist.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.