Filme von morgen – Filmtipps aus der SPEX-Redaktion

Bild: Still aus Blackkklansman

Das Kino steckt in einer Identitätskrise. Einerseits scheint selbst die Blockbuster-Industrie an der Progression des Kinos interessiert zu sein, andererseits beweisen amerikanische Produktionen immer wieder einen Mangel an Sensibilität, der einigen sauer aufstößt. Zu Recht? 

Blackkklansman (USA 2018)
Blackkklansman kann einiges. Von der Identitätswechsel-Komik über buddy-comedy-vibes bis hin zur ernsthaften Auseinandersetzung mit historischem und autobiografischem Inhalt ist der Film ein Aushängeschild für zeitgemäße Populärkunst: breite Zielgruppe trotz spitzer Konflikte und politischer Positionierung. Aber worum geht es eigentlich?

Es geht um die Geschichte von Ron Stallworth (John David Washington), der als afro-amerikanischer Polizist den Ku-Klux-Klan infiltrieren möchte. Dank Flip Zimmerman (Adam Driver) funktioniert das nicht nur am Telefon, sondern auch bei Treffen der rechtsextremen Organisation ziemlich gut. Die Geschichte wurde von Spike Lee inszeniert und basiert auf der Autobiografie des echten Ron Stallworth, das den Titel Black Klansman trägt. Das dritte K im Titel samt Wortwitz ist dann wohl Spike Lee zuzuschreiben. Witziger Typ, witziger Film. Blackkklansman ist die natürliche Auseinandersetzung mit Rassismus, die Progressivierung des Kinos durch Aufarbeitung und Autobiografie.

 

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Crazy Rich (Asians) (USA 2018)
Den Gegenentwurf zu Blackkklansman liefert Crazy Rich, das im amerikanischen Original den Titel Crazy Rich Asians trägt und einen historischen Moment in der amerikanischen Filmgeschichte markiert. Erstmals wurde eine amerikanische Romantik-Komödie mit komplett asiatischstämmigem Cast besetzt. Ähnlich wie Black Panther wird dem Film damit eine besondere Rolle zugesprochen, die weit über seine romantische Geschichte hinausgeht.

Die Frage nach der Identität ist Thema im und um den Film herum. Der Vorwurf der mangelnden Sensibilität, wenn es um die Besetzung explizit chinesischer oder singapurischer Rollen geht, wird von einigen beschworen, von anderen als rechtspopulistische Meinungsmache abgetan. Dabei springen häufig die falschen Leute denen zur Seite, die einfach nur selbst über ihre möglicherweise multinationale Identität entscheiden möchten. Dass in der deutschen Version „Asians“ gestrichen wurde, könnte noch eine ganz neue Diskussion eröffnen. Darüber, inwiefern der Umgang mit Ethnien und Herkunft in unterschiedlichen Ländern verschieden ist, und wo die Gründe dafür liegen.

Viel Theorie um einen einzigen Film. Was Crazy Rich eigentlich, losgelöst von allen Versuchen der Einordnung und Verortung, ist? Eine US-amerikanische romcom, wie sie im Buche steht. Viel Liebe, ein bisschen Humor und US-amerikanische Prüderie.

 

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Gundermann (Deutschland 2018)

Ein Film mit zwei Ebenen: Gerhard Gundermann (Alexander Scheer) verzweifelt im Jahr 1992 an einem Selbstbild, das nach jahrelangem Aufbau an seiner eigenen Vergangenheit zerbricht. 1975 ist er Rebell in der DDR und gleichzeitig tief im System verwurzelt. Die Problematik der Identität wird in diesem Biopic an einem einzigen ereignisreichen Leben abgearbeitet und teilweise aufgelöst. Nicht nur Heimat und Herkunft im geographischen Sinne, sondern auch die Herkunft der eigenen Gegenwart stehen dann im Zentrum der Betrachtung. Nur Gundermann selbst kann im Geschehenen suchen, was ihn jetzt belastet.

An Stellen erinnert die Geschichte vom deutschen Liedermacher inhaltlich an Vom Ende Einer Geschichte, greift es doch eine ähnliche Thematik auf. An anderen Stellen wirkt der Film fast märchenhaft – das Mysterium eines ereignisreichen Lebens.

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