Filme von morgen – Filmtipps aus der SPEX-Redaktion

Bild: Still aus Don't Worry, weglaufen geht nicht

Hold on, ins Kino gehen lohnt noch! Diese Woche widmet die SPEX-Redaktion sich der Kunst, englische Filmnamen zu ruinieren. Ein Glück, dass ein gruseliger Titel keinen Einfluss auf den Inhalt hat. Wir empfehlen drei Neuerscheinungen!

Don’t Worry, weglaufen geht nicht (USA 2018)

Preise verleihen wir zwar nicht, der deutsche Titel der amerikanischen Produktion Don’t Worry, He Won’t Get Far On Foot ist aber doch beinahe Verlockung genug, den Titel für die schlechteste Übersetzung eines englischen Titels zu verleihen. Titel hin oder her, mit Don’t Worry, weglaufen geht nicht erzählt Gus von Sant die Geschichte des Zeichners John Callahan, der hier von Joaquin Phoenix verkörpert wird. Übermütig und alkoholabhängig gerät Callahan in einen Verkehrsunfall mit seinem Freund Dexter (Jack Black), der kaum verletzt wird. Callahan ist querschnittsgelähmt und fortan bemüht, seine Suchtprobleme unter Kontrolle zu bekommen. Dabei entdeckt er seine Leidenschaft für das Zeichnen und damit einen derben makaberen Umgang mit seiner Lähmung.

Der Film von Gus von Sant mutet zeitweise zu geradlinig, an anderen Stellen zu plötzlich an. So wird plakativ auf das Zwölf-Schritte-Programm der Anonymen Alkoholiker hingewiesen, an welchem sich Callahan und die Story von da an aufbaut und abarbeitet, während seine tatsächliche Erleuchtung samt Stimmungswechsel des kompletten Filmes etwas abrupt geschieht. Hochkarätig besetzt – neben Phoenix und Black stehen auch Rooney Mara, Jonah Hill, Beth Ditto und Kim Gordon auf der payroll – kann dem Film aber kaum zum Vorwurf gemacht werden, dass er autobiografisches Material umsetzt und die Geschichte einer unwahrscheinlichen Karriere eines Cartoonisten erzählt. Gute Geschichte, solide erzählt.

 

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Familie Brasch (Deutschland 2018)

Familie Brasch porträtiert das Drama einer Familie, die in der DDR an unterschiedlichen Weltbildern und einem System, das diese nicht nachhaltig ertragen konnte, zerbrach. Der gefeierte Literat Thomas Brasch und seine Brüder Peter und Klaus konnten dem Staat, in dem sie aufwuchsen, die Lügen nicht abnehmen, die er ihnen als Realität verkaufte. Im Streit mit dem Vater, im literarischen Wettstreit untereinander und in jüdisch-katholischem Haushalt baute sich eine Spannung auf, die sich zum Ende hin nur im endgültigen Zerfall auflösen konnte.

Eine Dokumentation über eine Familie, die im kleineren Deutschland wenig der öffentlichen Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte, die eine solche Vorgeschichte sonst häufig nach sich zieht. Alle Söhne fielen in der eigenen kleinen Rebellion auf und aus dem Konzept des Vaters, der in der Friedenskonservierung durch kollektiven Verzicht ein neues Weltbild gefunden hatte. Sehenswert ist der Film allein schon wegen der vielen Originalstimmen und der wiederaufkommenden Diskussion über gesellschaftliches Fehlverhalten und fragwürdige Normen.

 

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Finsteres Glück (Schweiz 2018)

Eine Geschichte von Trauma und Nähe: Ganz anders als Fridas Sommer geht Finsteres Glück aus der Perspektive einer Psychologin an die Gedankenwelt eines schwer traumatisierten Kindes heran. Nach einem Autounfall geraten die beiden aneinander und lernen sich kennen. Für die Psychologin scheint der Fall auch zum besseren Verständnis ihrer selbst zu führen, sie dringt in die eigene Vergangenheit ein und erkennt die Parallelen zweier Traumata, die artverwandt, aber trotzdem sehr unterschiedlich sind und in ihr Erinnerungen an die Zeit der Verdrängung wiedererwecken.

In Finsteres Glück bleibt kein Unglück unerzählt, das auf so einen Schicksalsschlag folgen kann. Vom Sorgerechtsstreit über die Sorgen des Kindes verzichtet Regisseur Stefan Haupt auf kein Mittel, um die Ambivalenz der Verarbeitung eines solchen Erlebnisses darzustellen.

 

 

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