Filme von morgen – Filmtipps aus der SPEX-Redaktion

Bild: Still aus Itzhak Perlman

Wenn niemand ein Ticket kauft, wird der Film dann trotzdem gezeigt? Lassen Sie diesen Tagtraum bloß nicht Realität werden! Wir liefern Gründe und empfehlen zwei Neuerscheinungen. Von einem Film raten wir ab, aus guten Gründen.

Itzhak Perlman – Ein Leben für die Musik (Israel, USA 2017)

Itzhak Perlman erkrankte mit vier Jahren an Polio und ist seitdem auf Gehhilfen angewiesen. Mit fünf Jahren entdeckte er das Violinenspiel für sich und studierte die Musik – zuerst in Jaffa, später in den Vereinigten Staaten von Amerika. Zwischen Ruhm und Krankheit, unverblümter Ablehnung wegen seiner Gehbehinderung und kompromissloser Bewunderung seines Geigenspiels bewahrte Perlman sich einen Humor, der in seinem Schaffen nicht üblich ist. Sorgen und Hoffnungen verpackt er gleichermaßen in ein ironisches Gewand, ohne dabei seine Herzlichkeit zu verlieren.

Alison Chernick lässt Zeitzeugen sprechen, begleietet Perlman und seine Frau auf Reisen und erzählt die Geschichte eines der größten Violinisten unserer Zeit. Wo andere Dokumentationen an der Gesichtslosigkeit der besprochenen Person scheitern, baut sich diese gerade an ihr auf. Perlman selbst ist Erzähler und Protagonist zugleich und gegen Ende des Films Freund des Zuschauers.

 

_________

Meg (USA 2018)

Das beste an Meg ist der Name des Regisseurs. Jon Turteltaub – wie herzallerliebst! Der Rest wirkt wie dreimal hochgewürgt und dann aufgewärmt. Großer Hai gegen viele Menschen mit Waffen, die versuchen, ein Wunder der Natur mit allen Kräften umzubringen. Nur ist es dieses Mal halt kein weißer Hai, sondern ein Megalodon, den es seit Jahrtausenden eigentlich nicht mehr gibt.

Man könnte jetzt etwas genauer auf die Story eingehen, das lohnt sich aber eigentlich nicht, da der Trailer fast den ganzen Film erzählt. Ach ja, Jason Statham spielt mit, könnte es besser passen? Wir glauben nicht, vielleicht mit Dwayne „The Rock“ Johnson, aber der rettet ja gerade Wolkenkratzer (Skyscaper), riesige Gorillas (Rampage) und Nick Jonas (Jumanji) vor der Bedeutungslosigkeit. Vielleicht ja bei Teil zwei – wir jauchzen vor Freude.

 

_________

Death By Design (USA 2016)

Nur eine Woche nach Welcome To Sodom, einem Dokumentarfilm über die Müllhalden der westlichen Welt, die in Ghana gleichzeitig überlebensnotwendig und Massengrab sind, liefert Death by Design Einblick in die Produktion der Geräte, die in Welcome To Sodom ausgedient haben. Sue Williams deckt die menschenverachtende und toxische Industrie auf und arbeitet sich an politischen und wirtschaftlichen Folgen ab, die eine solche Industrie begründet.

Alternativen werden auch präsentiert, was zwar Optimismus und Hoffnung suggeriert, in dem Wust an unvorstellbaren Zumutungen und systematischer Obsoleszenz zu minimal wirkt, um wirklich für Wandel zu stehen. Death By Design komplettiert den Rahmen, den Welcome To Sodom um die digitale Konsumgesellschaft des Westens gespannt hat.

 

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.