Filme von morgen – Filmtipps aus der SPEX-Redaktion

Bild: Still aus Welcome To Sodom

Ja, natürlich verstehen wir, wenn Sie bei diesem Wetter keinen Schritt nach draußen wagen wollen. Ob sich der Gang ins Kino trotzdem lohnt, lesen Sie hier.

Welcome To Sodom – Dein Smartphone ist schon hier (Österreich 2018)

Die Schattenseiten der Digitalisierung haben nur mäßig Platz in den Medien und der Werbung, die tagtäglich neue Innovationen anpreisen und Menschen dazu bringen,  der Veröffentlichung eines neuen Telefons entgegenzufiebern. In Agbogloshie, Ghana leben die meisten Menschen in Armut und vom Müll des Westens. Alte Monitore, Kabel, Reifen und Smartphones türmen sich auf unendlichen Müllhalden, leicht entzündlich und nur unter Feuer jegliche Bodenschätze freigebend, die irgendwann einmal darin verbaut wurden.

In Agbogloshie ist die Müllhalde die Heimat und der Arbeitsplatz für diejenigen, die von der Globalisierung als Verlierer auserkoren wurden, die sich lediglich vom verschwenderischen Lebensstil des Westens ernähren können und Tag für Tag die giftigsten Dämpfe einatmen müssen. Welcome To Sodom zeichnet zwischen Bränden und Kindheiten, der unvorstellbaren Armut und dem Alltag, das Bild eines vergessenen Kontinents.

 

_________

8:30 (Österreich 2017)

Österreichische Popkultur als Exportschlager: Was Bilderbuch für den deutschsprachigen Pop angehen, versucht 8:30 für den deutschsprachigen Film zu sein. Eine Ästhetik, die in ihrer klinischen Symmetrie und unaufgeregten Umsetzung an Wes Anderson erinnert, sorgt dafür, dass 8:30 nicht altbacken wirkt – obwohl der Film zum großen Teil in einem kleinen, unscheinbaren Ort spielt.

Der verzweifelte Versuch, aus dem Kaff zu entkommen führt dazu, dass Isaak (Florian Nolden) langsam aber sicher den Verstand verliert. Gefangen in einer Stadt, die ihn mehr und mehr zum Teil ihrer Identität macht, werden Bemühungen schnell zur aussichtslosen Selbstbeschäftigung, anfängliche Skepsis zur lethargischen Akzeptanz unmöglicher Geschehnisse.

 

_________

Mission Impossible – Fallout (USA 2018)

Franchises sind größer als je zuvor. Und in den meisten Fällen auch größer als ihre Darsteller. Star Wars schließt immer mehr mit seiner eigenen Vorgeschichte ab, Indiana Jones ist schon daran gescheitert, den gleichen Schauspieler immer wieder vor die Kamera zu zerren, obwohl er eigentlich keinen Bock mehr hat, und Marvel? Marvels Superhelden haben eine Halbwertszeit von ungefähr zwei Monaten – bis der nächste Film in die Kinos kommt. Mission Impossible setzt weiterhin auf Ethan Hunt (Tom Cruise) und bleibt sich treu und so ungeil wie zuvor. US-Action-Agenten-Ding eben.

In Fallout geht es um Plutonium für Waffen, Terror und pathetisches Gemeinschaftsgefühl unter Agenten. Der Film ist schon jetzt der Teil der Mission Impossible-Reihe mit dem stärksten Einspielergebnis am ersten Wochenende. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund scheinen die US-Amerikaner also die Lust am fragwürdigen Superstar Tom Cruise nicht verloren zu haben. Die Mission, das Franchise am Leben zu erhalten, ist, ganz ohne filmische Glanzleistungen, gelungen. Glückwunsch!

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.