Filme von morgen – Filmtipps aus der SPEX-Redaktion

Bild: Still aus Papillon

Täglich grüßt das Murmeltier: Marvel veröffentlicht den vierten Blockbuster des laufenden Jahres und macht das Kino zur teuersten Streaming-Plattform. Was Sie dagegen tun können? Man hat uns schon Einfacheres gefragt – zum Beispiel, was diese Woche im Kino anläuft.

Papillon (USA 2017)

Papillon erzählt die vermeintlich wahre Geschichte von Henri „Papillon“ Charriere (Charlie Hunnam), der zu lebenslanger Haft auf einem Außenposten der damaligen französischen Republik verurteilt wird. Dort begegnet er Louis Dega (Rami Malek), einem Milliardär, mit dem er fortan eine Zweckfreundschhaft mit dem endgültigen Ziel der Flucht eingeht. In der Neuauflage des Films von 1973 ist vieles moderner und expliziter. Trotzdem kommt Papillon mit erfrischend wenig und dafür simplem Humor aus und wirkt nur in wenigen Momenten wie das erzwungene Reboot eines ausgedienten Blockbusters.

Dazu spielt Rami Malek gewohnt introvertiert und baut einmal mehr die an ihn gerichtete Erwartungshaltung auf, sieht man ihn doch gegen Ende des Jahres als extrovertierten Freddie Mercury im Queen-Biopic Bohemian Rhapsody.

 

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Fridas Sommer (Spanien 2016)

Traumatische Erfahrungen in jungen Kindertagen werden selten mit der Kamera begleitet. Frida (Laia Artigas) verliert ihre Mutter und wohnt fortan bei Verwandten. Die Kamera in Fridas Sommer begleitet den Schicksalsschlag nah und ruhig, die Gedanken eines Kindes werden über große Teile des Filmes ganz ohne Worte transportiert.

Der Kontrast zwischen kindlicher Lebensfreude, der Bereitschaft, neue Menschen ins Leben aufzunehmen und fundamentaler Traurigkeit drängt im Ton von Fridas Sommer immer wieder in den Vordergrund, ohne sich vorher dramatisch anzudeuten. Was am Ende bleibt, ist ein bedrückender Sommerfilm, in dem der Spannungsbogen von kindlichem Impuls gezeichnet wird und der Zuschauer die Manifestation zukünftiger Traumata begleitet.

 

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Ant-Man And The Wasp (USA 2018)

Marvel sorgt mit Ant-Man And The Wasp endgültig dafür, dass Superheldenfilme keine klassischen Kinofilme mehr sind. Auf den scheinbaren Höhepunkt Infinity War und den ironischen Spin-Off Deadpool folgt der sympathische Nebencharakter Ant-Man (Paul Rudd) mit neuer Begleitung (Evangeline Lilly). Kein Epos wird weitererzählt oder aufgebaut, sondern der nächste Cliffhanger vorbereitet, von welchem nach zwei lachend verbrachten Stunden Millionen von Zuschauern hängen und auf die geheime Szene nach dem Abspann warten.

Marvel hat das Serienformat mit all seinen Spannungsbögen und unendlichen Geschichten endgültig ins Kino gebracht. Bingen auf Leinwand? Wenn alle zwei Monate ein neuer Film rauskommt, könnte man sich glatt vornehmen, einen Schlafsack im Kinosaal aufzuschlagen. Ob diese Leistung bemerkenswert oder bedauernswert ist, darf jeder für sich selbst beurteilen.

 

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