Filme von morgen – Filmtipps aus der SPEX-Redaktion

Donnerstags nicht ins Kino zu gehen, ist ungefähr so schlimm wie freitags keine neue Musik zu hören. Sind Sie schlimm drauf? Die SPEX-Redaktion hofft auf das Gegenteil und präsentiert Ihnen drei Neuerscheinungen.

Nico, 1988 (Italien, Belgien 2017)

Christa Päffgen war ein Weltstar. Ob als Schauspielerin, Sängerin oder „Supermodel“ prägte sie Leben und kannte sie Menschen. Nico, 1988 zeichnet nicht das Bild der makellosen Schauspielerin, Sängerin, des „Supermodels“, das Menschen kannte und beeindruckte, sondern das des Menschen dahinter. All ihre Zweifel und ihr Scheitern stehen im Vordergrund, verdrängen aber nichts aus dem Spotlight – Christa Päffgen schaltet es einfach ab.

I wasn’t happy when I was beautiful.

Trine Dyrholm spielt eine Nico, die in gleichgültiger Normalität nichts von der weltgewandten Arroganz eines polydisziplinären Superstars mitbringt, die man vielleicht von ihr erwartet oder bei ihren männlichen Zeitgenossen erlebt hat. Glück im Rückzug und der Selbstreflexion.

 

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303 (Deutschland 2018)

Jan (Anton Spieker) möchte seinen Vater in Spanien kennenlernen, Jule (Mala Emde) ihrem Freund in Portugal von ihrer Schwangerschaft berichten. Nachdem ersterer von seiner Mitfahrgelegenheit versetzt wird, liest letztere ihn auf und nimmt ihn mit. Die einen würden sich von Drive-In zu Drive-In touren, wenig Worte wechseln und am Ende an ihrem Ziel ankommen. Jan und Jule geht das natürlich nicht so. Die beiden verlieren sich in philosophischer Diskussion über Kapitalismus, Religion, der Liebe und Zärtlichkeit und so – was man halt so macht.

Statt sich also an fettigen Pommes und Tankstellenwürstchen im Teigmantel satt zu fressen, finden Jan und Jule sich gegenseitig toll. Was kitschig klingt, ist es auch und deswegen nur bedingt neu. Angenehm sind die zwischenmenschlichen Interaktionen dann, wenn sie nicht inszeniert wirken, sondern improvisiert und natürlich. Fazit also: Solang 303 nur versucht, Roadtrip-Movie mit Romanze zu sein, geht’s klar. Einzig die philosophischen Ausflüge wirken manchmal etwas erzwungen. Lobenswert ist die authentische Ereignislosigkeit einer solchen Reise.

 

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Könige Der Welt (Deutschland 2017)

Union Youth waren eine deutsche Band, die zu Beginn der 2000er in die Fußstapfen des amerikanischen Grunges traten. Das spannendste an ihrer Heimatstadt Bad Bentheim ist der Zug, der Amsterdam und Berlin verbindet und regelmäßig zu spät durch die Stadt tourt. Die in Könige der Welt erzählte Geschichte ist der aus Nico, 1988 nicht gänzlich unähnlich. Der Zuschauer begleitet die Band bei ihrer Rückkehr als Pictures und Sänger Maze bei seiner therapeutisch begleiteten Rückkehr als Frontmann.

Die Regisseure Christian von Brockhausen und Timo Großpietsch möchten die Geschichte der Generation erzählen, die das Ende des Musikfernsehens miterlebt und sich von den Hinterlassenschaften der letzten großen Rockbewegungen genährt haben. Eine ruhige und zurückgenommene Doku über Aufstieg, Absturz und Reflexion.

In der aktuellen Printausgabe SPEX No. 381 können Sie einen ausführlichen Beitrag zu Nico, 1988 finden. Die Ausgabe gibt es nach wie vor versandkostenfrei im Online-Shop und im Einzelhandel.

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