Filme von morgen – Filmtipps aus der SPEX-Redaktion

Bild: Still aus Die Frau, die vorausgeht

Ein Flughafen, ein 4-k-Remaster und ein Stammeshäuptling: Im Kino gibt es diese Woche wieder genug Erstklassiges, um für drei Empfehlungen zu sorgen. Frisch aus der SPEX-Redaktion und mit Trailer versehen. Ab in’s Kino!

Die Frau, die vorausgeht (USA 2017)

In Die Frau, die vorausgeht geht eine Frau voraus, um Sitting Bull (Michael Greyeyes), einen Häuptling, zu malen. Ungebremst von gesellschaftlicher Konvention und US-amerikanischem Konservatismus, der in Colonel Groves (Sam Rockwell) eine authentische Personifizierung erfährt, zieht Catherine Weldon (Jessica Chastain) also nach North Dakota.

Aus dem Interesse für eine ihr fremde Kultur entsteht Verständnis, und in diesem Verständnis entdeckt Colonel Groves ein gefährliches, weil revolutionäres Potenzial. Im gewalttätigen Versuch, dieses im Keim zu ersticken, wird Catherine dazu gezwungen, sich für eine Seite zu entscheiden. Sie gerät in einen Kampf, dessen Ursprung sich immer weiter von ihrer Realität entfernt. Nach Feinde – Hostiles jetzt der zweite Film in diesem Jahr, in dem die Konflikte zwischen einem inidigenem Volk und postkolonialischer Mehrheit mit kompromisslosem Führungsanspruch dargestellt und in der Zwischenmenschlichkeit aufgelöst werden. Kaum zu glauben: Wahre Geschichte. Nach Three Billboards Outside Ebbing, Missouri beweist Sam Rockwell außerdem sein Talent, den Archetyp des rassistischen, US-amerikanischen Beamten in jeder Epoche spielen zu können.

 

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Out Of Rosenheim (Deutschland, USA 1987)

Ein restaurierter Klassiker schafft es noch einmal in die Kinos. Schon vor 31 Jahren durfte Jasmin Münchgstettner (Marianne Sägebrecht) den deutschen Ordnungsfimmel in die US-amerikanische Kleinstadt schleppen. Dieses Mal eben in 4k.

In Out Of Rosenheim streitet sich Munchgstettner mit ihrem Mann, lässt sich im Wüstenort Bagdad absetzen und stellt zu allem Überfluss fest, dass sie aus dem Ehestreit nur den Koffer ihres Mannes hat retten können. Was nach rostigem deutschen Humor klingt, wirkt auch so, bis Munchgstettner auf die locals trifft. Wenn dann deutsche und US-amerikanische Prüderie aufeinandertreffen, gegenseitiges Misstrauen sich in Wohlgefallen auflöst und die ein oder andere kulturelle und sprachliche Barriere überwunden wird, ist man zwar ein bisschen irritiert, aber ebenso interessiert daran, einen Ort wie das Bagdad Café zu finden, an dem scheinbar alles möglich ist.

Das legendäre Café gibt es mittlerweile übrigens wirklich. Zwar nicht in Bagdad, Arizona, wo der Film spielt, aber in den Vereinigten Staaten. Ob da immer noch so viel los ist? Who knows.

 

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Zentralflughafen THF (Deutschland 2018)

Der Zentralflughafen in Berlin-Tempelhof wurde im Jahr 1948 zum Symbol der Hoffnung. Fast ein Jahr lang versorgten US-Amerikanische Transportflugzeuge das blockierte West-Berlin mit Lebensmitteln und Brennstoffen.

2015 wurde der mittlerweile geschlossenen Flughafen Tempelhof zu einer vorübergehenden Unterkunft für Geflüchtete. Karim Aïnouz erzählt mit Zentralflughafen THF die Geschichte derer, die in einem Flughafengebäude ihre neue Heimat finden müssen, geplagt von schwindenden Erinnerungen an die eigene Herkunft und Ungewissheit über die eigene Zukunft. Tempelhof wird darin als erstes Zuhause in Deutschland für tausende Flüchtlinge zu einem neuen Symbol für Hoffnung, Rettung und Heimat. Aïnouz beleuchtet das alltägliche Leben junger und alter Menschen, die mit der erzwungenen Entwurzelung zu kämpfen haben und eine Perspektive auf das Leben in Deutschland haben wie sonst niemand.

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