Filme von morgen – Filmtipps aus der SPEX-Redaktion

Still aus Love, Simon

Wir stehen davor und blicken hinab: Die große Kluft des Sommerlochs hat sich aufgetan. SPEX empfiehlt trotzdem zwei Neuerscheinungen – wobei Empfehlung heute eher relativ zu verstehen ist. Aber hey, die Filme der letzten Woche laufen ja weiterhin im Kino Ihres Vertrauens.

Love, Simon (USA 2018)

Love, Simon könnte man viele Vorwürfe machen. Die Darstellung des amerikanischen Schullebens zum Beispiel, die nicht annähernd so nuanciert und real erscheint wie zum Beispiel bei Lady Bird von Greta Gerwig. Oder die vielen lachenden oder grimmigen Menschen, denen reale zwischenmenschliche Beziehungen offensichtlich von ihrer eigenen Archetypenhaftigkeit verwehrt werden.

Love, Simon hat kein Problem damit, ein kitschiger High-School-Film zu sein, in dem alle zwei Minuten eine Szene zum kollektiven Schluchzen einlädt, in dem der Soundtrack irgendwo zwischen Plattensammlung der Eltern und Tumblr-Blog angeordnet werden kann. Im Film geht es um den Teenager Simon (Nick Robinson) und sein Outing. Und wenn Love, Simon auch nur einem Teenager dabei helfen kann, öffentlich mit seiner Sexualität umzugehen, hat der Film genau das erreicht, was er erreichen wollte. Und warum sollte er dazu zu experimentellen und innovativen Wekzeugen greifen, wenn es so viel besser klappt?

 

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Global Family (Deutschland, Kanada, Äthiopien, Italien 2018)

Die Debatte über den Familiennachzug dominiert den öffentlichen Alltag in Deutschland seit Monaten. Melanie Andernach und Andreas Köhler nähern sich dem Thema auf persönlicher Ebene, statt den Anspruch eines allgemeinen Fazits zu formulieren. Eine Dokumentation, die statt der nüchternen Darstellung faktischer Gegebenheiten eine echte Geschichte nacherzählt, birgt auch Probleme: Eine Kamera, die eine Familie andauernd verfolgt, kann  schnell unnatürliche Handlungen provozieren und unnatürliche Gesprächsfetzen aufnehmen, die der sehr emotionalen Thematik nicht gerecht werden würden.

Zum Glück des Publikums und der begleiteten Familie fällt es aber kaum auf und nicht ins Gewicht, dass ein wachendes Auge über jeder Handlung steht. Captan Shash, die zentrale Figur des Films, war landesweit bekannter Fußballspieler und Politiker in Somalia und flüchtete in Folge des Bürgerkrieges nach Deutschland. Aus der Bundesrepublik heraus verhalf er einigen Verwandten zur Flucht nach Europa, andere mussten in Somalia bleiben oder in anderen afrikanischen Staaten im Exil leben. Andernach und Köhler dokumentieren eine Reise in die Heimat, die Geschichte einer Familie, die es über den ganzen Globus verschlagen hat. Es ist ein Film über die persönlichen Auswirkungen unpersönlicher Bürokratie und Gesetzgebung geworden.

 

 

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